Die mißglückte Vortragsreise des Botschafters von Kamerun

Frankfurt

Das deutsche Wirtschaftswunder erfüllt die jungen Völker Afrikas mit großer Hoffnung für ihre eigene Zukunft.“ Mit diesen Worten verabschiedete sich am Freitag in Frankfurt Kameruns Staatspräsident Amadou Ahidjo nach einem mehrtägigen Staatsbesuch in der Bundesrepublik. Es war ein herzlicher Abschied. Weit weniger freundlich gestimmt hatte einige Wochen zuvor Ahidjos Bonner Botschafter A. Raymond N’thepe die Wirtschaftsmetropole am Main verlassen. Und die ihn eingeladen hatten, die „Junioren der Frankfurter Wirtschaft“, sind sich bis heute noch nicht darüber einig, ob sie den Kummer über die unerfreulichen Begleiterscheinungen des Botschafter-Besuches in ihrem Herzen verschließen oder ob sie ihrem Zorn freien Lauf lassen sollen.

Einer Einladung der „Junioren“ folgend, die schon seit Jahren Kontakt mit jungen afrikanischen Staaten pflegen, war der Botschafter der Republik Kamerun, begleitet von einem Attache am Nachmittag des 29. März in Frankfurt eingetroffen. Es war alles gut vorbereitet. Ein Empfangskomitee der jungen Unternehmer war zur Begrüßung erschienen.

Es fing auch ganz harmlos an: Man besprach, wie die Rede des Botschafters, die er am Abend vor den Frankfurter Wirtschaftsjunioren und deren Gästen halten sollte, übersetzt werden sollte. Dann verlangt der Botschafter über den geplanten Programmablauf informiert zu werden. Das überraschte freilich die Gastgeber, denn in dem vorangegangenen Briefwechsel war dem Referenten die Planung des Abends bis ins einzelne mitgeteilt worden. Doch der Botschafter erboste sich, er habe keinerlei verbindliche Auskünfte erhalten. Peinlich sei dabei nur gewesen, so erinnert man sich heute in Frankfurt, daß Exzellenz erregt seine Papiere durchkramte und einer der „Junioren“ darunter auch den fraglichen Schriftwechsel über das abendliche Afrika-Kolloquium entdeckte.

Die Atmosphäre jedenfalls wurde frostig. Doch geduldig erläuterten die Frankfurter, wie alles über die Bühne gehen sollte. Zunächst sei der Frankfurter Probst Karl Goebel, dessen missionarischer Patenbereich Westkamerun ist, mit einem Lichtbildvortrag an der Reihe. Dann sollte der Botschafter das Wort ergreifen. Exzellenz N’thepe erhob Bedenken. Die Veranstaltung würde sich zu lange hinziehen, wenn der Geistliche seine 120 Photos zeige. Das dauere erfahrungsgemäß gut und gern zwei Stunden.

Die Frankfurter „Junioren“, um das Gelingen des Vortragsabends besorgt, schlugen nun vor, der Gast aus Kamerun sollte doch dann den Reigen eröffnen. Jedoch auch davon wollte der Botschafter nichts wissen: Dann hätten bei der Diskussion nach dem Lichtbildervortrag die Zuhörer schon wieder vergessen, was er gesagt habe. Die Veranstalter machten einen weiteren Vermittlungsvorschlag: Probst Goebel sollte seinen Lichtbildvortrag kürzen, um der Aufnahmefähigkeit der Zuhörer nicht zu viel zuzumuten. Hier wurde der Botschafter ernstlich böse: Schließlich könne er als Christ nicht einem geistlichen Herrn die Redezeit verkürzen. Das sei mit seiner Überzeugung unvereinbar.