Von Hanns Meenzen

Der Tenor erster Erfahrungsberichte über das Gesetz zur Förderung der Vermögensbildung der Arbeitnehmer (312-Mark-Gesetz) war eher negativ als positiv gestimmt. Neuerdings deutet sich ein bemerkenswerter Wandel an. Die anfänglich kritische Zurückhaltung der Arbeitgeber ist einer alles in allem freundlichen Beurteilung gewichen. Merkblätter und Empfehlungen der Verbände und eine damit einsetzende Aufklärungs- und Werbungsarbeit haben dazu geführt, daß zumindest in bestimmten Regionen die Beteiligung auch der Arbeiterschaft recht rege geworden ist. Das wachsende Echo läßt sich insbesondere dort nachweisen, wo nun schon zum zweiten Male ein Angebot an die Arbeitnehmer ergangen ist, wie beispielsweise in den Konzernen Glanzstoff, Mannesmann und Daimler-Benz. Die Vereinigte Glanzstoff AG kann bei den anlagebereiten Arbeitern einen Zuwachs gegenüber 1961 von 80 % registrieren.

Besagte noch das vor einigen Monaten veröffentlichte und im Auftrage des Bundesministeriums für Wirtschaft angefertigte Gutachten eines Düsseldorfer sozialwirtschaftlichen Instituts, daß unter etwa 50 auf ihre Erfahrungen angesprochenen Betriebe lediglich bis zu 4 % der Lohnempfänger und bis zu 25 % der Gehaltsempfänger sich bereit erklärt hatten, entsprechende Arbeitgeberzuwendungen im Sinne des Gesetzes vermögenswirksam anzulegen, so werden diese Ausgaben durch die inzwischen bekanntgewordenen Ergebnisse widerlegt. Bei Daimler-Benz waren schon beim ersten Angebot im Jahre 1961 18 % der Arbeiter bereit, eine entsprechende Summe langfristig anzulegen; 1962 waren es sogar fast 22 %. Die Robert Bosch GmbH registrierte unter den Arbeitern eine Anlagequote von 11 %, ebenso die Salzdetfurth AG in Hannover; die Voith GmbH in Heidenheim sogar 27 %. Alle werden noch übertroffen von der Firma Vorwerk & Co., Wuppertal, wo 41,5 % der Arbeiter und 78,5 % der Angestellten für die Vermögensanlage gewonnen werder. konnten. Allerdings muß hier der besonders starke Anreiz erwähnt werden, den das Unternehmen zu schaffen verstand. Dafür, daß die Belegschaftsmitglieder sich bereit erklärten, die Zuwendung dem Unternehmen als festverzinsliches Darlehen (5 %) zur Verfügung zu stellen, wurde ihnen zusätzlich ein halbes Monatseinkommen gewährt.

Vergleicht man die Anlagequoten der nebenstehenden Aufstellung, so fallen vor allem die starken regionalen Unterschiede ins Auge. Große Firmen des rheinisch-westfälischen Industriegebietes wie Klöckner, Thyssen, Mannesmann und Glanzstoff registrierten beim ersten Angebot recht übereinstimmend eine Beteiligung von insgesamt (Arbeiter und Angestellte) nur 4 bis 5 %, während besonders im württemberg-badischen Raum auf Anhieb Quoten von 22 % (Daimler), 14 % (Bosch) und über 30 % (Voith) erreicht wurden.

Diese aus der Mentalität der Arbeitnehmer, der Siedlungsstruktur und anderer soziologischer Faktoren sich erklärende unterschiedliche Aufgeschlossenheit für die Vermögensanlage wird auch deutlich in dem Erfahrungsbericht von Daimler-Benz. Danach haben sich 1962 von allen Arbeitnehmern in den baden-württembergischen Werken Gaggenau, Sindelfingen und Untertürkheim über 30 % bereit erklärt, volle 312 DM vermögenswirksam anzulegen, während auf das gleiche Angebot im Werk Mannheim nur 15 %, im Werk Düsseldorf nur 13 % und in Berlin-Marienfelde gar nur 5 % positiv reagierten. Die geringe Neigung der Berliner Belegschaft erklärt sich natürlich einmal aus der politischen Situation dieser Stadt, sicherlich aber auch aus der ganz anderen Mentalität des Großstädters, verglichen etwa mit derjenigen des schwäbischen Kleinsiedlers.

Groß sind die Unterschiede naturgemäß zwischen Arbeitern und Angestellten. Die Erfahrungen sowohl von Daimler-Benz als auch von Glanzstoff zeigen, daß dabei natürlich auch die Einkommenssituation, also die Sparfähigkeit eine bedeutende Rolle spielt. So waren bei Daimler durchschnittlich 40 % der Angestellten im Jahre 1962 zur vermögensbildenden Anlage der Sondervergütung bereit, doch steigerte sich dieser Satz auf 55 % bei Angestellten mit Monatseinkommen über 1250 DM. Glanzstoff meldet eine Beteiligung von 21 % unter den Tarifangestellten, von über 27 % unter den sogenannten Zwischenschicht-Angestellten und von 47 % unter den gehobenen Angestellten.