Es ging um Macht, nicht um Geld

Von Hermann Riedle

Wenn sich auf einem Markt zwei Monopolisten gegenüberstehen, so kommt es meist nicht zu einem Geschäft, sondern zum Kampf. Beide Parteien verharren auf ihren Forderungen und lassen sich nicht in Verhandlungen ein. Auch wer nur wenig von Wirtschaft versteht, fürchtet den Kampf der Monopole. Denn es gibt keine ökonomische Vernunft, die ihn verhindern könnte.

Und wer sich schließlich in der hohen internationalen Politik umsieht, weiß nur allzu gut, daß dort, wo sich zwei gleich starke Mächte gegenüberstehen, der Friede nur ein ephemerer, labiler Zustand ist. Bewegt sich der eine nur ein wenig, muß der andere sofort handeln und seine Position verteidigen.

Sieht man einmal von den wirtschaftlichen Gründen ab, die zu Streik und Aussperrung führten, so muß man die Auseinandersetzungen zwischen den Gewerkschaften und den Arbeitgebern der Metallindustrie im Südwesten der Bundesrepublik als eine gefährliche und obendrein mit sehr hohen Einsätzen gespielte wirtschafts-politische Pokerpartie bezeichnen. Nur allzu leicht hätte sie zum materiellen Ruin des einen oder des anderen Spielers führen können. Das hätte für die Bundesrepublik chaotische Folgen gehabt.

Also Grund genug für jeden Vernünftigen, sich über den Vermittlungserfolg des Bundeswirtschaftsministers zu freuen. Mehr als elf Stunden intensiver und harter Diskussion hat es am vergangenen Montag gebraucht, die festgefahrenen Positionen der zerstrittenen Parteien wieder in Bewegung zu bringen. Das Fazit der Machtprobe weicht allerdings nicht wesentlich von den bisher üblichen „Friedensschlüssen“ ab: Nach salomonischem Verfahren erhielten beide „etwa die Hälfte“. Der IG-Metall-Chef Otto Brenner müßte dabei resignierend feststellen, daß er mit seiner Kampftheorie nicht mehr herausgeholt hat als der realistische, ökonomisch denkende Boß der IG Bau-Steine-Erden, Georg Leber, der sich vor einigen Monaten mit seinen Forderungen auf volkswirtschaftlich festen Boden stellte.

Während jedenfalls die Tarifpartner nach allem, was geschehen ist, keinen Grund haben, sich eines Sieges zu rühmen, wird man Professor Erhard für seine Vermittlungsaktion einen Kredit einräumen müssen – einen Kredit in seine Persönlichkeit, den er bei der Übernahme des Kanzleramtes, nach mancherlei Anfechtung, wird gebrauchen können. Es ist ihm gelungen, in Parallele zu seinem Motto „Wohlstand für alle“, in einem konkreten Fall zu beweisen, daß ein Arbeitskampf lediglich „Sorgen für alle“ bedeutet – da ja wir alle es sind, die einen Tarifkrieg schließlich bezahlen müssen. Nach den jüngsten Ereignissen sollte diese Einsicht ins Bewußtsein der Öffentlichkeit gedrungen sein.