„Tagebuch eines Sünders“ (Italien; Verleih: MGM): Italiens Nachwuchsregisseur Valerio Zurlini („Das Mädchen mit leichtem Gepäck“) erzählt in diesem stimmungsvoll und melancholisch komponierten Farbfilm die Geschichte zweier ungleicher Brüder, des nicht recht zu Ansehen gelangten, desillusionierten Journalisten Enrico (Marcello Mastroianni) und des viel jüngeren Dante oder Ferruccio, der von wohlhabenden Adoptiveltern aufgezogen wurde, dann aber dem Elend verfiel und am Ende von einer unheilbaren Krankheit heimgesucht wird. Die Handlung basiert auf dem Roman „Cronaca familiäre“ von Vasco Pratolini. Leider bereitete Zurlini ihn mit recht konventionellen Methoden für die Leinwand zu: Er läßt die beschreibenden Passagen des Romans einfach als inneren Monolog sprechen und führt dazu stilvolle Illustrationen vor. Wohl besitzen die Rückblenden in Kindheit und Jugend der beiden Brüder Charme und psychologische Genauigkeit. Aber gegen Ende sinkt der Film in private Rührseligkeit ab: Ungezählte Male nehmen die Brüder tränenreich voneinander Abschied, während Musik ihre elegischen Gefühle unterstreicht. grg