HANNOVER (Kestner-Gesellschaft):

„Francis“

Sam Francis, einer der führenden und erfolgreichsten amerikanischen Maler, action painter vom reinsten Wasser, wild, rücksichtslos, vital, ein Kosmonaut, ein Fanatiker der blauen Farbe, Blau, das auf weitem Grund explodiert und zersplittert. „Mich fasziniert das Blau der Atmosphäre, von einer Jet-Maschine aus gesehen, in 30 000 Fuß Höhe.“ Er repräsentiert auch in seinem Lebensstil einen neuen–amerikanischen–Künstlertyp. Seine Ateliers sind über die Welt verteilt, in New York, Tokio, Paris, Bern, Santa Barbara, er ist immer unterwegs, überall und nirgends zu Hause. Seine erste umfassende deutsche Ausstellung – in der Kestner-Gesellschaft bis zum 28. Mai – bringt 85 Arbeiten von 1950 bis 1961. Sein Temperament liebt das große Format. Aber auf den bis zu 2 Meter großen Leinwänden verflüchtigt sich die kinetische Energie – die kleineren Gouachen wirken stärker und konzentrierter. Am schönsten ist die Reihe seiner in Zürich gedruckten Farblithographien von 1960 und 1961. „Alles beruht auf visueller Empfindung, aber in einer Weise, die der Dingnähe und Dingferne, der Geborgenheit und Ungeborgenheit des Menschen von heute entspricht“, schreibt Museumsdirektor Franz Meyer über Sam Francis.

BERLIN (Akademie der Künste):

„Symbol und Mythos in der zeitgenössischen Kunst“

Die Ausstellung soll das Thema der diesjährigen „Berliner Begegnungen“ vom Bilde her ergänzen 121 Werke aus vielen europäischen Ländern werden gezeigt. (Der Deutsche Künstlerbund hat vor ein paar Jahren das gleiche Thema mit Arbeiten deutscher Künstler darzustellen versucht.) Um das grenzenlose Thema einigermaßen faßbar zu halten, ist „Symbol“ als christliche Symbolik und „Mythos“ in der Hauptsache als griechische Mythologie verstanden. Dabei wird, soweit Piastil in Frage steht, der mehr oder weniger zufällige Titel zum mythischen Kriterium. Wenn eine weibliche Figur nicht einfach „Stehende“ heißt, sondern den Namen einer griechischen Göttin trägt, gilt sie als Beitrag zum Mythos. Bei der Malerei wird ins vorige Jahrhundert zurückgegriffen. Es beginnt mit Gustave Moreau, Odilon Redon und James Ensor, die als Maler des Mythos legitimiert sind Für die Maler unseres Jahrhunderts ist Orpheus die beliebteste mythische Figur. Max Beckmanns Gemälde „Geburt“ und „Tod“ gehören zu den wenigen großen Beispielen, wo das Mythische selbst und keine Mythologie gestaltet wird. Professor Friedrich Ahlers-Hestermann sprach zur Eröffnung über ein neues, nicht literarisches Verhältnis zum Mythos, das in der heutigen Kunst freilich nur an Einzelfällen nachzuweisen sei.

WORPSWEDE (Kunstschau Worpswede):