Von Thomas von Randow

Eine Reihe von Argumenten spricht dafür, daß in unserem Spiralnebel einige hundert Millionen Sterne existieren, die von Planeten umkreist werden, auf denen sich technische Zivilisationen intelligenter Wesen entwickelt haben könnten. Unter Berücksichtigung einiger neuer Entdeckungen und Theorien wird in diesem Beitrag untersucht, wie sich die Zahl solcher bewohnter Planeten grob abschätzen läßt. In der kommenden Woche soll an dieser Stelle die Frage erörtert werden, welche Möglichkeiten wir haben, mit unseresgleichen in anderen Welten in Verbindung zu treten.

Seit drei Wochen dürfen wir mit größerer Berechtigung als bisher annehmen, daß die Mehrzahl der Sterne des Universums von Planeten umkreist werden, und damit haben auch die Spekulationen über das Vorhandensein organischen Lebens, ja sogar intelligenter Wesen in anderen Welten, größeres Gewicht bekommen.

Mitte April nämlich konnte der amerikanische Astronom Peter van de Kamp die seit längerem gehegte Vermutung bestätigen, daß der sechs Lichtjahre von uns entfernte Barnards-Stern von einem kalten Himmelskörper umlaufen wird.

Professor van de Kamp ist Direktor der Sproul-Sternwarte in Swarthmore, Pennsylvanien, an der auch die Existenz der beiden einzigen bislang bekannten Sterntrabanten nachgewiesen wurde. Die Masse jener in den Jahren 1943 und 1960 entdeckten Himmelskörper – der eine umkreist 61 Cygni und der andere Lalande 21185 – ist jedoch so groß, daß es fraglich erscheint, ob es sich dabei um Riesenplaneten oder um sehr kleine Sterne handelt. Im Gegensatz dazu ist der jetzt nachgewiesene Begleiter des uns zweitnächsten Barnards Stern ein kühler, nicht selbst leuchtender Körper. Er muß es sein, denn seine Masse, die etwa eineinhalbmal so groß ist wie die des Jupiters, reicht nicht aus, um die für Sterne charakteristische nukleare Reaktion auszulösen, bei der Wasserstoff unter großer Hitzeentwicklung zu Helium zusammengeschmolzen wird.

Die auf der Jahresversammlung der amerikanischen astronomischen Gesellschaft verkündete Entdeckung ist beileibe keine Sensation, denn an der Existenz von Planeten außerhalb unseres Sonnensystems hat niemand ernsthaft gezweifelt. Bedeutsam allerdings ist der Tatbestand, daß der Planet ausgerechnet bei Barnards Stern gefunden wurde, und zwar bedeutsam deshalb – paradoxerweise, wie es zunächst scheint –, weil dort die Aussichten auf einen Erfolg der Fahndung am größten waren.

In der Entfernung von einigen Lichtjahren ist ein Planet von der Erde aus nicht mehr sichtbar. Seine Existenz läßt sich daher nur indirekt nachweisen, und das ist in der Tat möglich, weil ein Himmelskörper nicht einfach einen anderen umlaufen kann, sondern beide um den ihren gemeinsamen Schwerpunkt kreisen müssen. Das Vorhandensein eines Planeten verrät sich daher durch eine exzentrische Rotation seines Sterns.