BERLIN (Deutsche Oper):

Die Orestie des Aischylos, Musik von Darius Milhaud, Nachdichtung von Paul Claudel, deutsche Bühnenfassung von Peter Funk

Bei deutschen Theaterleitern finden, unverstandene Komponisten Zuflucht. Als 1930 keine französische Bühne „Christoph Columbus“ von Claudel und Milhaud spielen wollte, ließ ihn Tietjen an der Berliner Staatsoper durch Franz Ludwig Hörth und Erich Kleiber uraufführen. 1963 berichtigte die Hamburgische Staatsoper Strawinskijs „Sintflut“, nachdem, das „musikalische Spiel“ über 185 amerikanische Fernsehsender verhunzt gesendet worden war. Zu gleicher Zeit richtete, die Deutsche Oper in Berlin dem nun 70jährigen Milhaud die erste szenische Gesamtdarstellung seiner „Orestie“ aus. An Sellners Darmstädter Landestheater, waren im Mai die beiden ersten Teile – „Agamemnon“ und „Die Choephoren“ – für eine einzige Vorstellung durch Harro Dicks inszeniert worden (Bühnenbild: Franz Mertz). Der dritte, schwächere Teil, „Die Eumeniden dauert länger als die beiden anderen zusammen. Als: ein einziges Mal für kurze Zeit in Berlin auch das Wort verständlich wurde, weil eine Schauspielerin sprach, erntete Ingrid Reinmann dankbaren Applaus – einmal wenigstens begriff das Publikum über das Wort den Sinn. Claudels Vertrauen auf die elementare Wirkung der musikalischen Prosodie wird durch den Komponisten (heute) nicht mehr gerechtfertigt. An Stelle einer „christlichen Wendung“, der Erlösung vom Fluch, ergießt sich über uneingeweihte Zuschauer polytorial gebündelter Musikbarbarismus. Er ist so schwer zu singen wie auszuhalten. Der um Differenzierung bemühten Klangregie des Dirigenten Heinrich Hollreiser wirkten in der Berliner Aufführung stellenweise irritierende Lautsprechereffekte entgegen. Für Sellners vielfältige Auseinandersetzung mit der antiken Tragödie (in Kiel, Essen, Darmstadt und Wien) war dieses französische Sujet wohl noch „fällig“. Der Berliner Opernintendant Sellner erwies sich selber aber keinen Dienst damit. Obwohl der Bühnenbildner Michel Raffaelli ihm eine ideale Szenerie gebaut hatte und der Gesangschor als Hauptdarsteller, von Walter Hagen-Groll vorbereitet, schier Übermenschliches leistete, glitt Sellners Regie ins Posieren ab. Jac