„... Von nun an waren sie zu dritt: der Wimpel, Heinz und er. Der Wimpel durfte nicht fehlen. Er war das Hohe, zu dem man aufblicken konnte. Und er war deshalb das Hohe, weil er nach oben zeigte, zu den Sternen und zum Himmel, wo den irdischen Dingen ihr Maß gesetzt ist... Wimpel waren notwendig für die Ordnung in der Welt. Einen Wimpel muß man haben, dachte Pida, und wenn es nur zwei sein sollten, die ihm folgen.“

Das ist die Philosophie von

Otto Bodemeyer: „Streit um Pida“, illustriert von Rudolf Fuhrmann; Ensslin & Laiblin Verlag, Reutlingen; 254 S., 7,80 DM.

Fahnen oder Wimpel symbolhaft zu werten, sie mit Totemkraft und Mystik zu versehen, mag manchen mißtrauisch stimmen. Vom Wimpel, der für die Ordnung in der Welt notwendig ist, führt ein kurzer Weg zur Fahne, die mehr ist als der Tod.

Vielleicht ist dieser „Fahnenglaube“ aber auch nur harmloser Teil des „Gruppendenkens“. Denn „Pida“ ist eine Gruppengeschichte aus der Welt der bündischen Jugend, einer Welt, die merkwürdig unmodern, wirklichkeitsfremd und zeitlos geworden ist. Zumindest, wenn man diese Geschichte liest. Sie könnte 1913 genau so gespielt haben wie in den zwanzigern, in den dreißigern wie in den Vierzigern... so können wir die Jahre setzen: die Problemchen und die Knaben bleiben die gleichen. Nur die Farbe der Wimpel kann sich ändern.

Dabei ist das Buch gut geschrieben und entbehrt nicht einer gewissen Spannung. Es ist gut gemeint, aber die Beziehung zum Hier und Heute fehlt. Denn die „Pida-Geschichte“ will mehr sein, als „nur“ ein unterhaltsames Jungenbuch. Deshalb diese Kritik. Vielleicht aber hat der Rezensent das Buch nicht verstanden. Dann aber nur, weil er symbolträchtige Wimpel auch nicht versteht. u. k.