Von Theodore H. White

Für das amerikanische Wort„briefing“ gibt es keine rechte Übersetzung. Briefing – das heißt: Referat über ein bestimmtes Thema, Informations-Vortrag, Auskunftserteilung, Lagebericht. Die amerikanischen Wehrmachtsteile haben die Technik des briefing zur höchsten Perfektion entwickelt, und niemand beherrscht sie besser als die Leute im Pentagon. Ein wahrhaft großes Pentagon-Briefing, komplett mit Fünffarben-Tafeln, surrenden Kartenwänden, Illuminationen und Diapositiven, mit riesigen Vergrößerungen von Photos, stramm tänzelnden Obristen und Stimmen im Dunkeln ist eine künstlerische Darbietung wie ein Ballett.

„Aber briefings“, so sagt ein enger Mitarbeiter McNamaras, „verflüchtigen sich wie der Morgentau. Wenn die Referenten mit ihren Tafeln und Photos verschwunden sind, fragt man sich: Was haben sie eigentlich gesagt?“ So besteht McNamara darauf, daß ihre Texte ihm vorher schriftlich vorgelegt werden, damit er Fragen stellen kann, und daß die Texte ihm auch nachher belassen werden, damit andere sich damit beschäftigen und dagegen argumentieren können. Die Offiziere, die im Laufe der Jahre eine lange Reihe von Ministern mit ihren Darbietungen unterhalten, verwirrt und informiert haben, konnten sich nur mühsam an die neue Methode gewöhnen. „Von McNamara befragt zu werden – das ist, als sei man in einen Bienenschwarm geraten“, klagte eines der unglücklichen Opfer.

Nach und nach, um die Jahreswende 1961/62, ließ das Tempo der Fragen nach. Es wurde offenbar, daß McNamara nicht nur seinen Posten, sondern auch das Leben in Washington genoß. Und Washington entdeckte, wie zuvor schon Detroit, die verschiedenen McNamaras.

Da war der schelmische McNamara. Als er zum x-tenmal über die weltweite Nachrichtenverbindungen unterrichtet wurde und man ihm zum x-ten Male versicherte, daß er bloß ein bestimmtes Telephon zu benutzen brauche, um binnen 30 Sekunden den General Norstad zu erreichen, wo immer der sich auch gerade in Europa aufhalte, da nahm er kurzerhand den Hörer ab, verlangte Norstad und demonstrierte schlüssig, daß der General, wenn er in seiner Privatwohnung zu Marnes-la-Coquette nackt unter der Dusche stand, nicht binnen 30 Sekunden erreicht werden konnte.

Aber da war auch der andere McNamara, der „Eierkopf“, der sich mit Eifer immer weiter bildete (er war unter den Gründungsmitgliedern von Robert Kennedys Hickory-Hill-Studiengruppe); da war ferner McNamara, der eiskalte Automat, der Generale behandelte, als seien sie „Zweigstellen-Manager von Ford-Fabriken in der Provinz“. Und da war schließlich der McNamara, der die Beamten wie die Eierköpfe auslachte und es genoß, keines von beiden ganz zu sein.

Dienst ist Dienst, Twist Twist