Von Uwe Nettelbeck

Will Tremper ist um Einfälle nicht verlegen und versteht es, von sich reden zu machen. Es fallen ihm immer drei Filme auf einmal ein, und wenn er wirklich einen drehen will, benutzt er jede List, sich Geld zu verschaffen.

Versessen auf Publicity, kam er auf die Idee, die Uraufführung seines zweiten Films ins Atelier zu verlegen, und das war in diesem Fall die Abfertigungshalle des Berliner Flughafens Tempelhof. Schlag Mitternacht hatte er sie tatsächlich zusammen, die Prominenten und die Kritiker; und die Versammelten, aus allen Teilen der Bundesrepublik zusammengeflogen, konnten – leicht ermüdet teils, teils aufgekratzt – das kuriose Ereignis und „Die endlose Nacht“ genießen.

Tremper hatte sich alles fein ausgedacht: Mercedes-Benz und Klöckner-Stahl zieren in Leuchtschrift die Flanken der Halle, emsig hatte er sie abgefilmt. Die beiden großen Firmen und ein paar Fluggesellschaften würden die Premiere, meinte er, schon finanzieren. Grausam, aber wohl vernünftig sagten sich diese hingegen: Gefilmt ist gefilmt, die Reklame kriegen wir auch gratis. Mehr noch: Die Flughafengesellschaft verlangte obendrein eine happige Miete.

Hanns Eckelkamp, Chef des Atlas-Filmverleihs, der nicht nur unser Land mit wichtigen Filmimporten versorgt, sondern sich auch mütterlich des siechen deutschen Films annimmt, half dem in Finanzschwierigkeiten steckenden Tremper als Koproduzent auf die Beine und finanzierte auch noch das nächtliche Trara, allerdings – denn Eckelkamp kann sein Geld auch besser anlegen – mit erheblich zusammengestrichenem Etat.

Daß Eckelkamp zahlte, ist hingegen ein gutes Zeichen: In ihm hat der junge deutsche Film einen unkonventionellen Mann gefunden, der nicht knausert, ebensowenig aber sein Geld zum Fenster hinauswirft, einen Verleiher, der sein Metier versteht und damit auch Erfolg hat.

Eckelkamps Schützling Tremper ist ein Außenseiter, ein unbekümmerter Autodidakt, von den müden Ästhetizismen der sogenannten Münchener Schule ebenso unberührt wie von der Routine der Altmeister.