Bereits 1862 wurde in der idyllischen Residenzstadt Meiningen am Oberlauf der Werra die Deutsche Hypothekenbank, Meiningen, gegründet, die mit der ebenfalls noch. bestehenden Frankfurter Hypothekenbank das älteste Institut seiner Art ist. Warum war die Standortwahl seinerzeit gerade auf den thüringischen Kleinstaat Sachsen-Meiningen gefallen? Vor allem, weil die Konkurrenz bereits am Bankenplatz Frankfurt Fuß gefaßt hatte und Preußen sich mit Rücksicht auf seine öffentlich-rechtlichen Landschaften nicht entschließen konnte, kapitalistische Aktiengesellschaften zu konzessionieren.

Alles andere als kleinstaatlich war der Firmenname, den die Gründer – vor allem Banken, darunter die Mitteldeutsche Creditbank – ihrem Institut gaben: Sie nannten ihre im Casinogebäude arbeitende Bank „deutsch“, ehe es Bismarck gelang, die zahlreichen Staaten zu vereinen. Erst 1938 wurde der Bank das Städtchen Meiningen zu eng. Man siedelte nach Weimar um, wo 1945 noch einen Tag vor der Besetzung durch die Amerikaner bei Kanonendonner die letzte Hauptversammlung abgehalten wurde.

Seit 1948 befindet sich die Bank im Westen, und zwar in Bremen, weil „dort lange keine Hypothekenbank mehr ansässig war“. Heute wird das Institut von den drei „feindlichen Brüdern“, der Deutschen Bank, der Dresdner Bank und der Commerzbank mit einer je 25prozentigen Beteiligung am Aktienkapital friedlich beherrscht. Die Bank fährt nicht schlecht dabei. Denn als der Präsident der Deutschen Bundesbank Anfang des Jahres dem Jubilar seine Referenz durch seine Teilnahme an der Hundertjahrfeier erwies, war die Bank gerade in den Kreis der Bilanzmilliardäre eingezogen, und an die Aktionäre wurde außer unverändert 15 % Dividende ein Bonus von 2 % ausgeschüttet. Der um fast 30 % auf 6,2 Mill. DM gestiegene Gewinn hatte das ohne weiteres ermöglicht: 2,4 Mill. DM wurden für die Dividende verwandt, die übrigen 3,8 (3) Mill. konnten den Rücklagen zugeführt werden, die nunmehr das Anderthalbfache des Grundkapitals von 16 Mill. ausmachen.

Bedenkt man, daß den Wertberichtigungen 0,9 Mill. mehr als im Vorjahr zugute kamen, der Steueraufwand um ein auf 3,7 Mill. DM kletterte und die Abschreibungen auf 1,6 Mill. verdoppelt wurden, darf man daraus auch auf die Bildung ansehnlicher stiller Reserven schließen.

Da auch das Kreditgeschäft, was die Auszahlungen angeht, mit 154 (122) Mill. DM größer war als im Vorjahr, kann die Bank im Jubiläumsjahr sehr zufrieden sein. Auf Grund des augenblicklichen Eigenkapitals ist dem Institut noch ein freier Umlaufsraum für Pfandbriefe in Höhe von 186 Mill. und für Kommunalobligationen von 370 Mill. DM gegeben. Mit einer Kapitalerhöhung ist deshalb in absehbarer Zeit nicht zu rechnen.

Dennoch führt die Bank Klage, daß das Recht zur Ausgabe von Kommunalschuldverschreibungen nach dem neuen Hypothekenbankgesetz „erheblich eingeschränkt“ worden sei und daß alle Erwägungen über eine Erweiterung des Kommunalgeschäftes „auf einem Irrtum beruhen“. Sicherlich ist diese These überspitzt. Es ist schließlich nicht zu übersehen, daß die Umlaufsgrenze für alle Schuldverschreibungen recht großzügig vom 28fachen auf das 35fache des Eigenkapitals erweitert worden ist und der darin enthaltene fünfzehnfache Multiplikator für Kommunalschuldverschreibungen von keiner Hypothekenbank zur Zeit auch nur annähernd ausgenutzt werden kann. W. W.