Mit Graham Greene in Berlin (III)

Von Rudolf Walter Leonhardt

Also, nu hamm Se sich mal nich so – Se ziehen da aus einem Hotel aus und in ein anderes wieder ein, von fragwürdigeren Etablissements ganz zu schweigen, und da reden Se von Staub, den das alles aufgewirbelt haben soll. Machen Se man halblang.

Vortreffliche Stimme eines Lesers. "Mal halblang machen" – es stünde uns allen nicht schlecht an. Hierzulande jedoch macht man’s gern lang – ganz lang. Wir sind offenbar auf dem schlechtesten Wege, ein Volk von Hysterikern zu werden.

Oder wie sonst ist das zu erklären? Da wird, wie hier berichtet, ein doch wohl nicht ganz unbedeutender englischer Schriftsteller eingeladen, sich Berlin – das ganze Berlin – anzusehen. Die Wirklichkeit der Mauer spricht eine klare, deutliche, phrasenlose Sprache. Sie spricht diese Sprache auf beiden Seiten, und sie bedarf keiner zusätzlichen Propaganda außer dieser einen: Man muß die Menschen dazu kriegen, sich das anzusehen.

Der von uns dazu Aufgeforderte folgte endlich der Einladung; tat, wozu er gekommen war; sah sich also die Mauer von beiden Seiten an – und wollte sich dabei nicht wichtig machen, wollte Privatmann bleiben dürfen, ein einzelner, ein Schriftsteller...

Wichtig machten sich die anderen, die ihm zwei Tage Aushilfsgastgeber sein durften, da man uns ja jenseits des Checkpoint Charlie keine Gastgeberrechte einräumt. Sie waren zur Stelle mit rotem Teppich und Gästebuch und Führern und Photoapparaten. Sie nahmen ihre Chance wahr, ihre Seite der Sache darzustellen; und sie sorgten gewiß auch dafür, daß Greene vom Schicksal der Nicht-Kommunisten in der DDR, der Mehrheit also, wenig berührt wurde.