„Licht im Dunkel“ (USA, Verleih: United Artists). Schon vor dem Titelvorspann werden die Gefühle des Publikums aufgepeitscht. Über die Wiege ihres plötzlich erblindeten und taubstummen Kindes beugen sich leidgeprüft die Eltern. Der Vater schwenkt eine Sturmlaterne. Die Mutter schreit auf und preßt ihre Hände an die Schläfen. Insgesamt auf ein derart outriertes Spiel eingeschworen, verfilmte Arthur Penn das in den USA erfolgreiche Stück „The Miracle Worker“, einen Ausschnitt aus dem Leben des Kindes Helen Keller, der späteren Schriftstellerin. Von unverständigen Eltern gehätschelt, wächst Helen als ein halb animalisches Wesen auf, dessen hilflose Versuche, seine Umwelt zu erfahren, ohne Anleitung bleiben. Erst ihre Erzieherin Annie Sullivan vermag (mit strenger Konsequenz und wider den Protest der Eltern) den Verstand des Kindes zu wecken. Diese Fabel begnügt sich nicht mit dem Plädoyer für die Entwicklungsfähigkeit jedes Menschen, sondern gibt zugleich zu verstehen, daß die nüchterne Zuneigung eines Erziehers mehr vermag als egozentrische Elternliebe, die im Grunde nur kaschiertes Selbstmitleid ist. Penns Inszenierung indes läuft der aufklärerischen Absicht dieser achtenswerten Arbeit exakt zuwider. Sein pubertärer Expressionismus ist Ausdruck einer demagogischen Ästhetik, die das Publikum nicht zur Einsicht, sondern in Stimmung bringt. rpk