Funk

NORDDEUTSCHER RUNDFUNK

Mittwoch, 8. Mai, das Hörspiel:

Immer neu und immer anders erzählt werden zu können, darin liege der Vorzug einer Geschichte, hatte Autor Siegfried Lenz früher einmal geschrieben – und er muß es wissen. Tatsächlich wird er den diesem Hörspiel zugrundeliegenden Stoff in jeder neuen und anderen Form besser bearbeiten.

Es klingelt in der Wohnung des Mannes, der von dem immer noch hohen Ansehen lebt, das er sich 1945 durch die Rettung der Brücke vor der Sprengung erworben hat. Er ist abwesend. Seine Frau öffnet. Zwei Polizisten dringen ein und präsentieren einen Haussuchungsbefehl gegen den verschwundenen Untermieter, den Studenten Tom. Er habe bei verschiedenen Einbrüchen in Apotheken Schlafmittel gestohlen, mit denen er einen ganzen Stadtbezirk einschläfern könne, sagen die Polizisten. Sie sind korrekt, nahezu höflich – aber eine bestimmte Drohung geht von ihnen aus. Sie durchsuchen das Zimmer des Studenten, sie durchsuchen die übrige Wohnung. Ist der Student nur ein Vorwand? Richtet sich die Aktion in Wirklichkeit gegen den Brückenretter von 1945?

Spät, erst langsam mit dem Auftreten des Mannes selbst, wird der Hörer von dieser, wenn nicht vom Autor, so doch deutlich von der Regie vorgezeichneten Fährte abgebracht. Die Polizisten sind harmlos, es geht ihnen nur um den Studenten.