Auseinandersetzungen unter Bausparkassen sind selten. Dafür sorgen schon die seit langem zementierten Konditionen, der - auf 3 % festgelegte Einlagen- und der 5 % betragende Darlehenszins. Aufregen kann sich allenfalls der Bausparer, dessen Vertrag angesichts der davongelaufenen Baupreise nicht mehr ausreicht oder dem die Wartezeit bis zur Zuteilung zu lang ist. Die Kassen selbst blieben dank des stetigen Nachschubs neuer Bausparer bislang jedenfalls von Ärger und Sorgen verschont.

Kürzlich erhielt die Eintracht der 16 privaten und 14 öffentlichen Bausparkassen freilich einen ebenso unerwarteten wie unerfreulichen Dämpfer: In Bonn entstand das „Institut für Städtebau, Wohnungswirtschaft und Bausparwesen“. Diese Neugründung, für die der „Verband der privaten Bausparkassen“ verantwortlich zeichnet, will an der Lösung städtebaulicher, wohnwirtschaftlichen und eigentumspolitischer Probleme aktiv mitarbeiten. Eine löbliche Absicht, die allein allerdings kaum die Aufmerksamkeit auf dieses Institut gelenkt hätte. Die Aufgaben und Ziele sind denn auch etwas weiter gesteckt. Einen Anhaltspunkt dafür bietet die Mitteilung im Bauspar-Pressedienst, in dem die Gründe des Instituts mit einer scheinbar unbedeutenden Anmerkung vermerkt wurde. „Der Verband der privaten Bausparkassen“, heißt es dort, hat die Herausgabe der von ihm im Jahre 1955 begründeten ‚Hausbau-Informationen‘ dem ‚Institut für Städtebau, Wohnungswirtschaft und Bausparwesen‘übertragen. Noch aufschlußreicher ist jedoch der nachfolgende Sitz, der die lapidare Mitteilung enthält, daß der Ende 1959 ins Leben gerufene Gemeinschaftsdienst der deutschen Bausparkassen als solcher nicht mehr fortgeführt wird.

Die plötzliche Aufkündigung des Gemeinschaftsdienstes, der die privaten und öffentlichen Bausparkassen in den letzten Jahren wenigstens in ihrer publizistischen Arbeit zusammenführte, ist gewissermaßen die Antwort der privaten Institute auf den kürzlich vorgelegten Jahresbericht der „Geschäftsstelle öffentlicher Bausparkassen“.

Den Anstoß zu dem Bruch, der schon mit Rücksicht auf die gemeinsamen Interessen nur zu bedauern ist, gaben zwar nicht unbedingt neue, aber im Jahresbericht der öffentlichen Bausparkassen nunmehr offen zum Ausdruck gebrachte Meinungsverschiedenheiten. Im Mittelpunkt steht dabei die Sparförderung. Während beispielsweise die privaten Bausparkassen sich seit langem mit allem Nachdruck in Bonn dafür einsetzen, die Sonderstellung des Bausparens auch künftig zu erhalten, sind die öffentlichen Institute in dieser Hinsicht sehr viel nachgiebiger. In ihrem Jahresbericht bekannten sie, daß ihrerseits gegen eine Angleichung der Sparprämien an die Wohnungsbauprämie keine Bedenken bestünden. Diese Auffassung mag nicht einmal sonderlich überraschen. Man weiß, daß die öffentlichen Bausparkassen als Glied der deutschen Sparkassenorganisation hinsichtlich ihrer Sparförderungspolitik gebunden sind. Sie haben hier weitgehend den Interessen der Gesamtorganisation zu folgen. Und da die Anpassung der Sparprämien an die Wohnungsbauprämie das erklärte Ziel der Sparkassen ist, konnte man schwerlich damit rechnen, daß die öffentlichen Bausparkassen gerade in der Sparförderung eine andere Richtung einschlagen. Überraschen mußte freilich, daß diese organisatorisch bedingte Gemeinsamkeit im Jahresbericht vor aller Öffentlichkeit demonstriert wurde. Dadurch mußte zwangsläufig der Eindruck entstehen, als spielten die privaten Kassen mit falschen Karten.

Nicht minder deutlich sind die Interessengegensätze in einem anderen Punkt. So sprechen die öffentlichen Bausparkassen ihren privaten Konkurrenten rundweg die Qualifikation zur Ausgabe von Schuldverschreibungen ab. Die Emission von Schuldverschreibungen wollen aber die privaten Institute in dem in Vorbereitung befindlichen Bausparkassengesetz ausdrücklich sichergestellt sehen. Sie wollen sich dadurch eine Refinanzierungsquelle für den Fall offen halten, daß der Zustrom an neuen Bausparern merklich nachläßt. Dann würde nämlich das heute fast vergessene Wartezeitproblem sogleich wieder aktuell. Daher also das Interesse, rechtzeitig für magere Bausparjahre vorzusorgen. Daß sich die öffentlichen Kassen in dieser Beziehung auf Grund ihrer engen Anlehnung an die Sparkassen und Girozentralen vermutlich etwas leichter tun werden, ist bekannt. Warum dann aber dieser Querschuß, der zu einem den gesamten deutschen Bausparen sicher nicht zuträglichen Bruch führte? H. H.