Wirtschaft

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DIE ZEIT

Neue Sachlichkeit

Der Bundestag hat in der vorigen Woche die zahmste und leidenschaftsloseste Etat-Debatte seit seinem Bestehen geführt. Wo noch Meinungsverschiedenheiten zwischen Regierung und Opposition bestanden, wurden sie nur in Nuancen spürbar; die SPD-Sprecher trugen ihre Kritik gemessen vor – mehr darauf bedacht, Verletzungen zu vermeiden als zuzufügen.

Wahl in Niedersachsen

Noch vor zwei Wochen waren bei der Bonner CDU fast nur pessimistische Prognosen für die Niedersachsenwahl zu hören. Der peinliche Streit um die Kanzlernachfolge, das deprimierende Ergebnis der Landtagswahl in der CDU-Hochburg Rheinland-Pfalz, dem die schwere Wahlschlappe in Berlin vorausgegangen war, die beunruhigenden demoskopischen Umfrage-Resultate – dies alles hatte die Erwartungen der CDU gedämpft.

Atlantische Chance

Ein jegliches hat seine Zeit... Brechen und Bauen.“ Es war Dean Acheson, der dieses Bibelwort im März in seiner Berkeley-Rede zitierte – jenem weithin hallenden Appell an die Anrainer des Atlantiks, sich nicht durch engstirnigen Nationalismus den Weg in eine Zukunft transatlantischer Partnerschaft zu verbauen.

Kein "Fall Paczensky"?

Die "Panorama"-Sendung hat, so lange sie existiert, Anstoß erregt – bei den Fernsehern oder im Fernsehhaus, am zuverlässigsten aber bei Berufsorganisationen, Parteien, Ministerien und bei Amtsstellen aller Art.

Zeitspiegel

„Wir werden dem Verteidigungsminister einen guten Rat geben dürfen, im besonderen, was seinen Umgang mit Frauen betrifft. Herr Bundesverteidigungsminister, ich meine eine ganz bestimmte Sorte von Frauen: nämlich die Abgeordneten dieses Hauses.

Spionage à la Hollywood

Oleg Penkowski kann kaum mehr darauf hoffen, daß ihm ein Gnadenerlaß des sowjetischen Staatspräsidenten Breschnjew vor dem Erschießungskommando rettet.

Bonner Kronjurist, Berliner Senator

Die Aufgabe scheint vermessen: Berlin, Objekt der Politik und nicht mehr Zentrum der Entscheidungen, eine Insel in einem fremden Herrschaftsbereich – dieses Berlin soll kulturelle Hauptstadt einer Nation werden, ein Treffpunkt der Künste und der Wissenschaft.

Hans Gresmann berichtet aus Indonesien:: Paradies mit Fragezeichen

Der Zauber der indonesischen Nacht ist ohnegleichen. Schwere Düfte von Jasmin und Lotos betäuben den Reisenden, lassen ihn romantischen Träumen verfallen: Dies ist für ihn jenes irdisches Paradies, an das er als Kind dachte, wenn sein Finger über den Namen „Insulinde“ auf einem alten Atlas glitt.

Osthandel ja – aber wie?

Der Senator kommt aus Hamburg, ihm ist das Ostbedürfnis der deutschen Wirtschaft geläufig, und deswegen war von ihm auch keine Verurteilung der Initiativen zu erwarten, die auf eine Erweiterung der deutsch-sowjetischen Handelsbeziehungen hinzielen.

Halbwahrheit?

Senator Schütz vertritt in einigen Punkten eine Ansicht, die von jener der ZEIT wenigstens in der Akzentuierung abweicht. Das gilt vor allem für sein Argument, Berlin sei ein deutsches Land und daher ein Bundesland.

Zersplitterte Opposition

Der Gaullismus ist mit dem Versprechen in die politische Arena getreten, er könne dem „tapsenden und strauchelnden Parteiensystem“ ein für allemal ein Ende setzen.

Berlin - eine „alliierte Stadt“?

Klaus Schütz ist Berliner Senator für Bundesangelegenheiten und gehört zu den engsten Mitarbeitern Willy Brandts. Im folgenden Beitrag antwortet er auf den ZEIT-Leitartikel „Schattenboxen um Berlin“ (Nr.

Syriens Revolution, zweiter Teil

Seit der Revolution vom 8. März 1963 liegen in Syrien zwei Parteien im Widerstreit: die Anhänger Nassers und die sozialistische Baath-Partei, die der Union mit Ägypten skeptisch gegenübersteht.

Hat die Linke noch eine Chance?

In diesem Jahr wird die deutsche Linke hundert Jahre alt. Besteht ein Anlaß, dieses Ereignis zu feiern? Der Weg von dem Dreigestirn Marx-Engels-Lassalle bis zum Godesberger Programm und Willy Brandt markiert eine Entwicklung, die Siege und Triumphe, aber auch Niederlagen und geheime Tragödien in sich birgt.

Zeitlragen: Zum Lachen oder Weinen?

In Osaka gibt es einen jungen japanischen Maler, der mit nackten Füßen in Eimern, voll mit Farbe, steht, dann auf einem Seil hin und her schwingt und mit den Füßen malt.

Beim dritten Anlauf

... versuchte de Gaulle ... sich dem Volke zwischen den sich verschärfenden Gegensätzen von Rechts und Links als Retter der Einheit Frankreichs anzubieten.

Die Flughafenpremiere

Will Tremper ist um Einfälle nicht verlegen und versteht es, von sich reden zu machen. Es fallen ihm immer drei Filme auf einmal ein, und wenn er wirklich einen drehen will, benutzt er jede List, sich Geld zu verschaffen.

Zirkus Karajani in Berlin

Hans Scharouns Konzerthaus für die Philharmoniker ist allein von der Ästhetik her nicht zu begreifen

Kleiner Kunstkalender

Die 150 Porträts von Malern und Bildhauern stammen aus sechs Pariser Museen und vielen Privatsammlungen. Sie widerlegen die Ansicht, das Porträt sei ein künstlerischer Anachronismus, ein gänzlich veraltetes und überholtes Genre, und die Photographen könnten’s ohnehin besser.

Das SaBuF-Spiel

Zu den beliebtesten Gesellschaftsspielen gehört immer noch SaBuF (Schimpfen auf Bekannte und Freunde). SaBuF wird von einer beliebigen Anzahl von Teilnehmern gespielt, die mit dem Spielgegenstand – hier einfach das Opfer genannt – zumindest flüchtig bekannt sein sollten.

Brief aus dem Rheinland (X)

nachdem Du mir dankenswerterweise Dein Exemplar geschickt hast, habe ich das Stuck von Hochhuth nun gelesen (sehen konnte ich es noch nicht, denn ein Wochenendflug nach Berlin ist im Kulturetat eines Schulmeisters nicht vorgesehen) und stelle nach der Lektüre kopfschüttelnd fest, welch harmlose zeitgenössischen Erstlinge hierzulande zu einem Skandal ausreichen.

Zeitmosaik

Manche Leser werden, selbst zu den Menschen gehören, die das dolce fair niente bloß noch in der Badewanne erleben können, die so etwas ist wie eine umgekehrte Insel: aus Wasser bestehend, brechen sich an ihrem Rande die geräuschvollen Stürme des Festlandes.

Erich Frieds Sommernachtstraum

Übersetzen ist eine undankbare Aufgabe: Ist eine Übersetzung schlecht oder mittelmäßig, so versäumt niemand, der seine eigenen Sprachkenntnisse unter Beweis stellen möchte (und wer ist da ganz ohne Ehrgeiz), auf ihre Schwächen hinzuweisen, den Finger ohne jedes Zartgefühl gerade in die Wunde zu bohren, die oft den so geschmähten Übersetzer am meisten schmerzt.

Fernsehen: Blasses Breslau

Jürgen Neven-du Mont, der in den zurückliegenden Jahren doch einige der besten Dokumentarsendungen des Deutschen Fernsehens geliefert hat, war bei dem Bildbericht über Polen in Schlesiens Hauptstadt von seiner Inspiration im Stich gelassen worden, vielleicht verschreckt durch das Alarmgeschrei von Vertriebenenfunktionären, die schon bei der Ankündigung vorsorglich in Rage gerieten.

Film

„Licht im Dunkel“ (USA, Verleih: United Artists). Schon vor dem Titelvorspann werden die Gefühle des Publikums aufgepeitscht.

Theater

Das Erstlingswerk des 37jährigen amerikanischen Film- und Fernsehautors für die Bühne ist von Hans Suhl übersetzt worden. „Ackerknecht“ wurde Albert Cobb wegen seiner Sehnsucht nach dem Landleben von Larry genannt, der ihm an der Front das Leben gerettet hatte.

Auch bei uns: eine Geschichte des Films

Der Aberglaube ist nicht ganz selten, die Beschreibung der Geschichte einer Kunstgattung bereite zwar dem Autor selber ungeheure Schwierigkeiten, dem Leser aber keine.

Eine persönliche Bitte um tiefste Verachtung

Also, nu hamm Se sich mal nich so – Se ziehen da aus einem Hotel aus und in ein anderes wieder ein, von fragwürdigeren Etablissements ganz zu schweigen, und da reden Se von Staub, den das alles aufgewirbelt haben soll.

Reinhard Lettau:: Der neue Botschafter

Noch ehe er unser Land betrat, hielt der neue Botschafter Reden. Am Dock hatten sich die wenigen hier wohnhaften Bürger des Landes, das er vertritt, sowie Beamte unseres Außenbüros und der Stadt eingefunden.

Krieg, Blut und Unterwäsche

Als im vergangenen Herbst Linds erster Erzählungsband erschien, „Eine Seele aus Holz“, meldeten sich die Stimmen der Kritik laut und uneinig wie selten: feierlich enthusiastische, höhnische, heikel abwartende.

Ein hochprozentiges Nachschlagewerk

Nachschlagewerke, Wörterbücher, Lexika, Bibliographien, Anthologien wecken im gebildeten Menschen eine Stimmung, für die das Englische die Cockney-Redensart hat: „Ich bin nicht happig, aber ich hab’ gern viel!“ Vor einem Roman von vierhundert Seiten befällt einen das würgende Gefühl, ein Federbett fressen zu müssen, aber vor einem dreimal so dicken Handbuch sperrt man willig den Schnabel auf wie ein Starenjunges vor der Fütterung.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT vierunddreißig kürzere (wirtschaftliche, juristische, historische und sanft polemische) Aufsätze aus den Jahren 1922 bis 1960 über Buchwirtschaft, Buchvertrieb, Verlagsfragen, Buchgeschichte und verwandte Gebiete (so etwa eine abwägende Stellungnahme zur immer wieder ins Auge gefaßten und verschobenen Rechtschreibereform) und damit einen Querschnitt durch die schriftstellerische Arbeit Horst Kliemanns.

Menschliches, Unmenschliches

Wer beschreibt die Welt in den Romanen Balzacs...?Wer ist dieser allwissende, allgegenwärtige Erzähler, der an allen Orten gleichzeitig ist.

Konservativ aber modern

Unter den organisierten Sportindustrien Großbritanniens ist der Rennsport der älteste und auch noch immer populärste, da er durch seine Verbindung von sportlicher Leistung, Wettmöglichkeit und Gewinn dem englischen Sportempfinden aller Klassen am besten entspricht.

Ewiger deutscher Tennis-Frühling?

Dwight Filley Davis, Lieutenant-Colonel, 1870-1945“, heißt die Inschrift auf einem Grabstein in der Nähe von Washington. Ältere Diplomaten-Generationen erinnern sich: Er war unter Präsident Coolidge während der zwanziger Jahre Kriegsminister der Vereinigten Staaten von Nordamerika.

Demokratie in der Schule

An die Schule werden viele Anforderungen gestellt. Nicht nur, daß die Kinder das lernen sollen, was im Lehrplan für gut und richtig befunden worden ist, die Schule soll auch ganz spezielle „Interessen wahrnehmen“, sie soll Verkehrserziehung betreiben, bei Schulausflügen die Bundesbahn benutzen, Freundschaft zu anderen Völkern bezeugen, für das Müttergenesungswerk sammeln, Schulärzte und -zahnärzte bei der Gesundheitspflege unterstützen und so fort.

Die Bonner Löwengrube

Niemand will das brüllende Gastgeschenk aus Pretoria – Kann ein Raubtier allein schlafen?

„Hauptsache, er sitzt“

Der Polizeimeister, 48 Jahre alt, seit achtzehn Jahren im Dienst, dortselbst in Ehren zwar noch nicht ergraut, doch immerhin schon kräftig meliert, wußte wohl zwischen Gut und Böse zu scheiden.

Minister und Major

Sehr wesentliche Erkenntnisse, referierte Bayerns Finanzminister Eberhard selbstbewußt vor oberpfälzischen Zeitungsleuten, habe er während seiner Wehrübung gewonnen.

Propaganda-Posaunen

Der Wettlauf der Propaganda führt zu ähnlich absurden Konsequenzen wie der Wettlauf der Rüstung: Die letzten und stärksten Propagandiwaffen sind nur noch zur Abschreckung geeignet; ihr Einsatz aber ist sinnlos.

Die Rotbarsch-Linie

Eine Werbeagentur für Nordseefischerei hätte das nicht besser machen können. Da wurde dieser Tage in Bremen gemeldet: „In den ersten vier Monaten dieses Jahres sind in Bremerhaven, dem größten deutschen Fischereihafen, 26 499 563 kg Rotbarsch angelandet worden.

Ämter, die sich bezahlt machen

Bayerns FDP verdankt der CSU eine hübsche kleine Bombe, die von den Christlich Sozialen eigentlich gebastelt worden war, um gegen die SPD abgefeuert zu werden, und nun in der CSU-beherrschten Staatskanzlei zu explodieren droht.

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