DÜSSELDORF (Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen):

„Das französische Porträt im 20. Jahrhundert“

Die 150 Porträts von Malern und Bildhauern stammen aus sechs Pariser Museen und vielen Privatsammlungen. Sie widerlegen die Ansicht, das Porträt sei ein künstlerischer Anachronismus, ein gänzlich veraltetes und überholtes Genre, und die Photographen könnten’s ohnehin besser. Ausgestorben ist lediglich der Porträtspezialist, und die wenigen Vertreter dieser Sparte, die in Düsseldorf dabei sind (wie Cornelius van Dongen mit seinen Salondamen), hätte man besser weggelassen. Dafür haben sich fast alle großen französischen Maler gelegentlich als Porträtisten betätigt, mit Selbstbildnissen, mit Bildern ihrer Frauen und ihrer Freunde oder mit Typen-Porträts („Les trois poetes“ von Marcoussis, „Le marocain“ von Rouault oder, als Beitrag der jungen Generation, 1963 enstanden, „Le marin“ von Chevolleau). Die Auswahl beginnt schon beim Ende des 19. Jahrhunderts, mit Gauguin und Maurice Denis. Es folgen Renoir und Bonnard (mit dem „Bildnis Dr, Girardin“). Großartige Beispiele von Picasso, Juan Gris, André Lhote, Jacques Villon zeigen, wie der Kubismus sich des Porträts bemächtigt und die Barriere der physiognomischen Wahrheit niederreißt. Seitdem versuchen die Maler und Bildhauer das Modell zu charakterisieren, ohne es abzubilden. Die Düsseldorfer Ausstellung demonstriert an gut gewählten Beispielen aus den verschiedensten Richtungen die neuen Möglichkeiten des Porträts in unserem Jahrhundert. Sie dauert bis zum 26. Mai.

LÜBECK (Overbeck-Gesellschaft): „Winter“

Am schönsten und wichtigsten in der Lübecker Ausstellung, die von Fritz Winter selber zusammengestellt wurde als Übersicht über seine letzten fünf Jahre, sind die Ölbilder im großen Formal. Die kleinen „Ölblätter“ waren auch schon in Süddeutschland und in der Schweiz ausgestellt; sie sind interessant als Ideenskizzen, ab er ebenso wie die wenigen Lithographien sind sie nur als Randerscheinungen zu werten. Winter braucht das große Format. Mit seinen neuen Bildern, bis zu dem pastos gemalten, ganz hellen „Vogelflug“ von 1962, ist er aus dem früheren Bildschema energisch ausgebrochen. Manche seiner alten Freunde haben ihm das verübelt. Die frühen Bilder, schwarze Balkengerüste vor leuchtenden Farben, waren leicht als „Winter“ zu erkennen und ließen sich mit seiner Herkunft aus dem Kohlenpott erklären: Bevor er ans Bauhaus ging, hatte Winter als Bergmann gearbeitet, unter Tag, im Innern der Erde. Aber Winter lebt seit 1949 in Diessen am Ammersee, sein Umgang mit der Natur ist nicht auf Steine und Erden beschränkt. Die neuen Bilder heißen „Wilder Garten“, „Felder“, „Wald und Felder“ oder „Urlandschaft“. Sie sind polychrom, die einzelnen Farben, Braun, Grün, Rot, werden zur Mitte hin gesteigert, unregelmäßig und unverbunden stehen die konturlosen, zerfransten Farbflächen nebeneinander. Das nicht ganz Durchgeformfe, das Offene unterscheidet sie vom geschmackvollen Perfektionismus. Die Ausstellung endet am 9. Juni. g. s.