Von Reinhard Baumgart

Als im vergangenen Herbst Linds erster Erzählungsband erschien, "Eine Seele aus Holz", meldeten sich die Stimmen der Kritik laut und uneinig wie selten: feierlich enthusiastische, höhnische, heikel abwartende. Jeder schien jedem zu widersprechen. Wolfgang Weyrauch grüßte den Neuling als einen Weisen und Rabbi, der schonungslos und doch verschont durch die Zonen des äußersten Grauens gegangen war. Reinhard Lettau wiederum nahm ihn als ein eitles Rauhbein mit hemmungslos vertrotteltem Deutsch. Auch wenn sich das widersprach: ein Autor, der das Lager der Kritik so entzweit, der nicht nur gleichgültig gelten, gleichgültig fallen gelassen wird wie das meiste, an dem mußte auch etwas Neues und Unerhörtes entdeckt worden sein, das übliche Sprachregelung und Konvention quer durchschlug.

Ob es also klug war, nach der notdürftigsten Atempause gleich ein zweites Buch

Jakov Lind: "Landschaft in Be.on"; Luchterhand Verlag, Neuwied; 242 S., 14,80 DM

in die noch zitternden, noch unausgeglichenen Waagschalen zu werfen?

Klug wäre das nur gewesen in der vernünftigen Hoffnung, das Urteil über Lind könnte damit eindeutiger für ihn ausschlagen. So aber –

Doch es ist billig und gerecht, gerade gegenüber diesem Buch, zunächst mit seinem Anfang zu beginnen. Denn in diesem Anfang scheint auf weite Strecken Linds Rechnung aufzugehen wie nur in den besten Stücken seines ersten Bandes. Er hat sich einen Helden erfunden, mit dem er sich auf Anhieb zu verstehen scheint: einen Unteroffizier Bachmann, der hier zunächst durch die Ardennen und das Frühjahr vierundvierzig taumelt, auf der Suche nach seinem Regiment oder irgendeiner beliebigen Truppe, die ihm Obdach, Verpflegung und Kameradschaft bieten kann. Diesem Bachmann (wie ja auch Walsers Alois Grübel) merkt man es bald an, daß er als ferner Vetter in die Verwandtschaft des Soldaten Schwejk gehört.