Gutes Personal im Kreditwesen ist rar. Das beweist in aller Eindringlichkeit der Geschäftsbericht der Stadt-Sparkasse Gelsenkirchen, die als sogenannte Zweckverbandssparkasse mit 54 Geschäftsstellen den Raum Gelsenkirchen, Marl, Westerholt sowie die Gemeinden Hamm und Polsum mit seiner Bevölkerung von 491 000 Einwohnern „betreut“.

Das Institut empfand es als „außerordentlich schwierig“, bei der angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt Mitarbeiter in „genügendem Umfang und mit ausreichender Eignung“ zu gewinnen. Nur durch die Einstellung von Lehrlingen und Hilfskräften aus fremden Berufen konnte der Personalbestand im erforderlichen Maße um 63 Mitarbeiter ausgeweitet und die Ausgeschiedenen ersetzt werden.

Insbesondere die „Fluktuation“ des weiblichen Personals, auf das 47 % aller 755 Beschäftigten entfallen, war im Jahr 1962 „besonders stark“. Warum das der Fall war, sagt die Kasse nicht. Weibliche Kräfte scheiden meist relativ früh aus dem Berufsleben aus, wenn sie heiraten oder sie wechseln die Tätigkeit, falls ihnen die oft recht schematische Arbeit nicht zusagt und ihre Gehaltsvorstellungen über die Einstufungen nach Bundesangestelltentarif (BAT) hinausgehen, an den die Sparkassen gebunden sind.

Der Bericht der Kasse ist auch noch in anderen Bereichen auf Moll gestimmt, wenn wir die Äußerung, daß die Geschäfte des Institutes von den „unterschiedlichen Entwicklungstendenzen der industriellen Umgebung beeinflußt waren“, richtig interpretieren. Insbesondere der Steinkohlenbergbau, die Eisen- und Stahlindustrie, die Chemie, die Mineralöl- und Glas- sowie die Bekleidungsindustrie beschäftigen über 50 % aller Arbeitnehmer im Gelsenkirchener Raum.

Bemerkenswert ist, daß die Entwicklung der Spareinlagen nur als „im ganzen zufriedenstellend“ bezeichnet wird. Der Zuwachs lag mit 9,6 (Vorjahr 11,7) % beträchtlich unter dem Bundesdurchschnitt von 15,3 %. Allerdings ist zum Teil die Verfügung über einige Großkonten schuld, daß die Spareinlagen nur um 30,4 Mill. DM (bei fast 12 Mill. DM Zinsgutschriften) auf 345 Mill. DM anstiegen. Allein 41,5 % des gesamten Zuwachses entfallen auf das prämienbegünstigte Sparen!

Eine andere Entwicklung verdient ebenfalls hervorgehoben zu werden: über die Hälfte aller kurz- und mittelfristigen Kredite der Sparkasse sind als Konsumentenkredite, d. h. als Kleinkredite, Anschaffungsdarlehen und Kaufkredite, gegeben worden. Fast entschuldigend erklärt das Institut diese Tatsache mit der Struktur des Industriegebietes.

Die Ertragslage wird von der Kasse als „ausgewogen“ bezeichnet. Sicherlich ist sie nicht mehr so glänzend wie in früheren Jahren, als besonders hohe Kursgewinne aus festverzinslichen Papieren erzielt werden konnten. Immerhin ist der Reingewinn von 3,6 Mill. (1961 = 3,7; 1959 = 5,4 Mill. DM) sehr ansehnlich, und die Rücklagen erreichen nun 4,8 % (4,6 %) der Bilanzsumme, eine für Sparkassen ausgezeichnete Relation.

Unverständlich ist nur, daß das sonst sehr publizitätsfreudige Institut mit einer Aufwandsposition Versteck spielt: „Die sächlichen Verwaltungskosten sind gegenüber dem Vorjahr niedriger ausgewiesen. Die Veränderung ist buchungstechnisch bedingt, so daß eine Vergleichbarkeit mit dem Vorjahr nicht gegeben ist.“ – Unsere Frage: Wäre es so schwer, die Vergleichbarkeit im Bericht herzustellen? Geschäftsberichte sollen doch gerade Vergleiche mit den Vorjahren ermöglichen. W. W.