Von Gerda Zeltner

Wer beschreibt die Welt in den Romanen Balzacs...?Wer ist dieser allwissende, allgegenwärtige Erzähler, der an allen Orten gleichzeitig ist...? Das kann nur ein Gott sein ... In unseren Büchern indes ist es ganz im Gegenteil dazu ein Mensch, welcher sieht, fühlt und erdenkt ... ein Mensch wie du und ich.

Diese und ähnliche Sätze aus der Feder Robbe-Grillets standen vor Jahresfrist in den Akzenten. Es mag manchen Leser erstaunt haben. Denn da spricht plötzlich ein ganz anderer Robbe-Grillet als in den früheren Manifesten, die sich stets allein an das Objekt hielten und dessen Befreiung aus allen antropomorphen Projektionen anstrebten. Oder die, falls sie sich ausnahmsweise dem Subjekt zuwandten, eine Rechnung präsentierten, die zwar für den Intellekt, nicht aber den lebendigen „Menschen wie du und ich“ aufging.

Wenn nun zwar Theorie und Praxis bei diesem Autor immer zwei Dinge waren, so kann doch nicht übersehen werden, daß er mit seinem letzten Roman –

Alain Robbe-Grillet: „Die Niederlage von

Reichenfels“ (Originaltitel: „Dans le labyrinthe“), aus dem Französischen von Elmar Tophoven; Carl Hanser Verlag, München; 200 S., 12,80 DM

ebenfalls eine Wendung vollzogen hatte.