Ein Gutes hat die Mondsucht der amerikanischen und sowjetischen Raumfahrtbehörden: Sie läßt uns hoffen, daß wir dereinst den Atommüll auf unseren Trabanten schießen können. Es gibt indessen eine Menge Abfall, den wir auch im Zeitalter der Raumfahrt nicht so leicht loswerden. Dazu gehören die modernen Waschmittel, die in zunehmendem Maße Flüsse und Kanäle verschaumen. Schaum türmt sich vor Talsperren und Schleusen, und zuweilen schäumt gar das „frische“ Wasser aus der Leitung.

Im Gegensatz zur Seife werden die neuen Detergentien nicht von Mikroben aufgespalten und dadurch unwirksam gemacht. Sie verbleiben vielmehr im Wasser, sickern mit ihm durch den Boden oder durch die Siebe der Kläranlagen und geraten auf diese Weise in die Flüsse, ins Zahnputzglas und in unsere Kochtöpfe.

Zweifellos hätte man noch eine Weile mit Seife auskommen können, so lange jedenfalls, bis die Wissenschaft einen Weg gefunden hat, den robusten Molekülen der Detergentien zu Leibe zu rücken. Aber wer denkt heute an die Folgen, die frühestens morgen eintreten?

Mit dem Vertrauen darauf, daß Not bisher stets erfinderisch gemacht hat, produziert die chemische Industrie seit Jahrzehnten jene Waschmittel und seit Jahrzehnten versuchen Forscher in aller Welt, der neuen Plage Herr zu werden. Bisher bemühte man sich vergeblich, Mikroben zu finden, die den Benzolring, der die Moleküle der Waschmittel zusammenhält, mit einem Sauerstoffatom aufbrechen.

Nun hat man beobachtet, daß in manchen Gewässern die Detergentien ohne menschliches Dazutun nach etwa dreißig bis vierzig Tagen wieder verschwinden. Offenbar gibt es doch Organismen, denen diese Chemikalien munden.

Vielleicht zerstören jene Mikroben nicht das ganze Molekül, überlegte sich der amerikanische Biologe Melvin A. Benarde von der Rutgers Universität, vielleicht beißen sie nur Stücke davon ab? Diese Stücke könnten das Sulfonat sein, jener Stoff, der dem eigentlichen Reinigungsmittel Alkylbenzol zugesetzt wird, um es wasserlöslich zu machen. Wenn es aber solche Mikroben gibt, so schloß der amerikanische Wissenschaftler weiter, dann könnten sie sich dadurch bemerkbar machen, daß sie von dem Sulfonat den Schwefel abspalten. Und dieser Schwefel, der dann als Schwefelwasserstoff freigesetzt würde, müßte sich durch seinen charakteristischen Geruch verraten.

Also sammelte Benarde, wie er in der Zeitschrift „Saturday Review“ berichtet, in Maryland und New Jersey Bodenproben insbesondere von Stellen, an denen es verdächtig nach faulen Eiern roch. Die Proben wurden dann im Labor mit Wasser und Schlamm aus Kläranlagen gemischt, „um möglichst viele verschiedene Mikrobentalente zu züchten“. Danach brachte Bernarde das Gemisch in eine Glasröhre und setzte als Energiespender noch Zucker sowie einige für Mikroben lebenswichtige Salze hinzu.