–n, München

Sehr wesentliche Erkenntnisse, referierte Bayerns Finanzminister Eberhard selbstbewußt vor oberpfälzischen Zeitungsleuten, habe er während seiner Wehrübung gewonnen. Mindestens eine derartige Erkenntnis verschwieg der in Majorsuniform gehüllte CSU-Funktionär den Reportern diskret: Die von den Annehmlichkeiten einer Wehrübung für smarte Politiker.

Rudolf Eberhard, Jahrgang 1914, brachte es während des Krieges bis zum Hauptmann, kämpfte sich dann zum bayerischen Finanzminister (und stellvertretenden CSU-Vorsitzenden) hoch, erwarb unter anderen zivilen Auszeichnungen die Würde eines Ehrendoktors und beschloß im vergangenen Jahr, Major zu werden. Er meldete sich zu einer vierwöchigen Reservistenübung und durfte denn auch am Tage seines Antritts den Majorsrock anlegen.

Der Minister hatte Fortüne. Seine Übung fiel justament in die Osterzeit und verkürzte sich damit automatisch. Des weiteren erwies es sich als unumgänglich, daß Eberhard während dieser Epoche wichtige Staatspflichten wahrnahm. Der weite Bogen derartiger Obliegenheiten spannte sich von der Teilnahme an einer Festsitzung des Bayerischen Städtetags bis zu der Aufgabe, die Landesregierung anläßlich eines Starkbier-Anstichs im Münchner Hofbräukeller zu repräsentieren. Zwischendurch eilte der Major gar nach Augsburg, um zum 70. Geburtstag des dortigen Oberbürgermeisters eine artige Rede zu halten.

Während Spaßvögel im Wehrbereichskommando VI, wo Eberhards Übung offiziell stattfand, zu errechnen versuchten, wieviele Stunden der Reservist eigentlich an seinem Majors-Schreibtisch verbringe, verkühlte sich Bayerns damaliger Ministerpräsident. Eberhard brach die halb abgeleistete Übung ab; der Staat bedurfte seiner.

Wie es der Zufall wollte, fiel die zweite Hälfte, die der Politiker heuer nachzuholen gewillt wir, wiederum in die Osterzeit. Diesmal wurde dem Major d. R. auferlegt, Einheiten der Bundeswehr zu besuchen. Eberhard zeigte sich auch dieser Pflicht vollauf gewachsen. Souverän absolvierte er Standort um Standort und offenbarte jeweils anschließend den herbeizitierten Lokalreportern, seine Wehrübung trage einen ideellen Charakter.

Die Bilanz fiel, alles in allem betrachtet, äußerst günstig aus. Selbst Kapfingers „Passauer Neue Presse“, Eberhard sonst gar nicht wohlgesonnen, publizierte einen dreispaltigen Hofbericht mit dem Höhepunkt: „Als Bayerns populärer Staatsminister der Finanzen in Richtung Ostmarkstraße die beschauliche Stadt am Regen verließ, da vergoldeten die letzten Sonnenstrahlen dieses Apriltags den Turmhelm von Regens burgartiger Stadtpfarrkirche, und der Arber grüßte mit weißer Zipfelmütze.“