Von Wolf Jobst Siedler

Der Konservativismus hat stumpf zu sein, und das national abschattierte Vergangenheitsbewußtsein von rechtschaffener Biederkeit. Der Witz ist eine Sache der Linken, und die geistvolle Ironie gehört dem Fortschritt. So will es das Herkommen, und so will es die Ordnung.

Mit dieser Ordnung ist es seit einiger Zeit nicht mehr richtig bestellt. Es ist das bedrohliche Faktum zu melden, daß sich Leute, denen traditionsfreudige Arglosigkeit gut zu Gesicht stehen würde, in den Besitz des Scharfsinns gesetzt haben und brillierender Bosheiten habhaft geworden sind. Die Rechte hat sich zynischer Formfreude bemächtigt, und sie jongliert auf durchaus störende Weise mit den überlieferten Waffen der Linken. Sie schreibt gut.

Die Sache ist bedenklich, denn sie bringt die Fronten durcheinander. Seit man denken kann, gehört die Wortartistik der politischen Aufsässigkeit, und die soziale Unbotmäßigkeit artikulierte sich stets einen Grad eleganter als die Freude am Überkommenen.

Übrigens hat das der Konservatismus aristokratischer Prägung sehr oft gesehen, und seine nachlässige Arroganz bestand im privaten Wohlgefallen an der gereimten Keckheit: Friedrich von Gentz ließ sich aus Paris die von ihm selber für Österreich verbotenen Schriften Heines kommen, und Friedrich Wilhelm IV. besichtigte die Person Georg Herweghs. Dies waren die glücklichen und die ungebrochenen Tage rebellischer Zukunftsfreude.

Es ist anders damit geworden, seit gestern schon, woran Friedrich Sieburg beteiligt ist, dem dies zu Ehren gesagt wird.

Ende der zwanziger Jahre bereits wurde es Thomas Mann angesichts einer mit Paradoxen und Sarkasmen spielenden Rechten sonderbar zu Mute: Es steht schlimm mit dem Bestand der Republik, fand er, die Gegenseite wird von Tag zu Tag geschliffener im Umgang mit dem Wort. Die guten Federn sind, fühlte er, meist auf der Seite der Zukunft.