In Schweden ist das, was man inzwischen international als „Sex“ zu bezeichnen pflegt, kaum noch von Geheimnissen umwoben. Wie sollte es auch: Die Kinder werden schon vom siebenten Lebensjahr an in der Schule damit vertraut gemacht. Der medizinische Berater der Schulbehörde, den ich fragte, bemerkte dazu ganz unbefangen: „Wir bemühen uns, die Kinder davor zu schützen, ihr Wissen über sexuelle Dinge von fremden Erwachsenen oder Schulfreunden zu beziehen – und es dann womöglich nur nach der Verbindung mit Furcht oder Schuld zu sehen. Ganz allgemein“, so fuhr er fort, „wollen wir, daß die Kinder nicht nur vor kranken oder abnormen, sondern auch vor gedankenlosen Menschen geschützt werden.“ Die Schulbücher, von Lehrern, Ärzten und Geistlichen bearbeitet, wollen nicht nur in biologischen Gesetzen unterweisen, sondern auch ethische Maßstäbe vermitteln. Und es nimmt nicht wunder, daß die Kinder – so sieht es der Lehrplan vor – schon vom 14. Lebensjahr an mit Empfängnis verhütenden Mitteln vertraut gemacht werden.

In fast allen Schulen ist die Koedukation eingeführt, und darum wachsen die jungen Schweden mit einer beneidenswert natürlichen und gesunden Haltung zur Sexualität auf. Das spiegelt sich ganz eindeutig auch in den erregten Debatten über Moral und Sexualität wider, die darüber in der Öffentlichkeit, an Schulen und Universitäten geführt werden – und in der großen Zahl der Ehen, in denen beide Partner just Zwanzig sind.

In der Öffentlichkeit werden Probleme der Sexualität in der Tat freimütig diskutiert, privat indessen sehr viel seltener. Zweideutige Bemerkungen, schlüpfrige Witze und Zoten zum Beispiel hört man selten. Und trotzdem, scheint ein gewisses Interesse für „Pin-up“-Bilder und-Filme zu bestehen, vor allem bei alten Männern. Immerhin werden offenherzige Anzeigen sehr oft veröffentlicht. „Girly“-Zeitschriften finden reißenden Absatz, und Nudistenfilme erfreuen sich in Stockholms Kinos großer Beliebtheit.