Ein Student ist ein Studierender. Daran ist nicht zu zweifeln. Ein Studierender aber ist deswegen noch lange kein Student.

Der feine Unterschied zwischen „Student“ und „Studierender“ besteht trotz aller ministeriellen Verlautbarungen weiter: Ein Student studiert an einer Universität oder Technischen Hochschule, ein Studierender hingegen studiert an einer jener Anstalten, die früher einmal „Höhere Technische Lehranstalt“ oder auch „Maschinenbauschule“ hießen, die dann in „Staatliche Ingenieurschulen“ umbenannt wurden und heute noch so heißen.

Der Status der Ingenieurschule, die offiziell noch immer im Rang der Berufs- und Berufsfachschulen steht, gibt nicht die Möglichkeit, mit der Abschlußprüfung einen gesetzlich geschützten Titel zu erwerben, wie ihn die Ingenieurschulen unserer Nachbarländer verleihen.

Über das Studentenleben geben zahlreiche Lieder Auskunft. Auch über das freie Burschenleben kann man da manches erfahren, über die filia hospitalis und über das Burschenband. Wenn diese Lieder in ihrer exklusiven Romantik auch nicht mehr so ganz den tatsächlichen Verhältnissen gerecht werden, so sind sie doch wenigstens da – die „Studierenden“ aber haben keine Lieder.

Sie singen zwar auch, aber ihr Kommersbuch ist eine Leihgabe, die sie vom großen Bruder entlehnt haben. Wo sie, die Studierenden, aufhören, da fängt der Student an, und auch das nur unter ganz bestimmten, durch Ministerialerlaß geregelten Bedingungen.

Bis diese Bedingungen erfüllt sind, hat der Studierende einen weiten und gar nicht einfachen Weg zu gehen. Sechs Semester dauert ein Studium an einer der 85 deutschen Ingenieurschulen – wenn es gutgeht. Man kann auch „hängenbleiben“ und muß dann das Semester, dessen Ziel nicht erreicht wurde, wiederholen. Klappt es auch das zweitemal nicht, so darf man nur mit ministerieller Genehmigung weiterstudieren.

Ehe man aber überhaupt in diese Verlegenheit kommt, sind so viele Nachweise zu „erbringen“, daß viele junge Leute – meistens junge Männer, der Anteil der Mädchen an den rund 50 000 Studierenden in der Bundesrepublik beträgt höchstens fünf Prozent – davor zurückschrecken: Mittlere Reife, Fachschulreife, abgeschlossene Gesellenausbildung, fachtheoretische Überhöhung, gelenkte Praxis und vielfach auch noch eine Aufnahmeprüfung.