Landflucht der Vögel – Massentreffen am Stachus Fall-out in den Federn

Von Henry Makowski

Tauben füttern oder töten – dieser Mann hat sich für das erste entschieden. Beweis oder Ausgeburt städtischer Tierliebe?

Aufnahme: Bernard Larsson

Der wintertaube „Ballungsraumbewohner“, der beschwingt vom lauen Frühlingswind eine Vorortkarte löst, um sich (in der Sprachregelung der Planer) auf das „Naherholungsgrün“ zu stürzen – er wird enttäuscht bemerken, daß dort, wo noch im letzten Jahr seine erste Lerche aufstieg, ein Baukran seine Sonntagsruhe hält. Wo Kühe weideten, wo Kiebitz und Rotschenkel ihn ärgerlich warnend der ganzen Gegend anmeldeten, findet er Ausschachtungsgräben, Betonmischmaschinen, Baubuden. Etwas wehmütig mag er meditieren über die Ergebnisse einer modernen stadtnahen bäuerlichen Fruchtfolge: Roggen – Kartoffeln – Grundstücke.

Nun – Leute, die sich von Berufs wegen oder aus Liebhaberei mit dem Volk der Gefiederten beschäftigen, winken ab: Nicht alle Vogelarten, denen die Stadt langsam auf die Federn rückt, ziehen als Heer der Heimatlosen ab, im Gegenteil: Einige von ihnen scheinen sich nicht ungern „eingemeinden“ zu lassen, bei anderen gibt es sogar etwas wie eine Landflucht. Mühelos kann man schon dreißig Vogelarten aufführen, die sich Heimatrechte in unseren Städten erworben haben oder die sich darum bemühen.

Kirchtürme stimulieren Zuzug