Über dem Orchester hat der Saal seine größte Höhe von einundzwanzig Metern. Er ist sechzig Meter lang und fünfundfünfzig Meter breit. Die untersten Plätze liegen etwa dreizehn Meter tiefer als die höchsten. Noch weiter oben liegen die weit verteilten Emporen für Raummusik, auf denen zusätzliche Orchester und Chöre Platz finden können.

Durch die vielen Schrägen wird verdeckt, daß die Grundform des Saals symmetrisch ist. Scharoun spielt mit dieser Symmetrie. Die Ehrenloge mit den Plätzen für die Schwerbeschädigten auf der einen Seite und der Orgelprospekt und die Orgelkammer auf der anderen Seite liegen unsymmetrisch, auch die drei Musiker-Emporen. Zwei der insgesamt achtzehn "Weingärten" machen diese Asymmetrie mit.

Scharoun bringt die an ihren Rollstuhl gefesselten Schwerbeschädigten und den Bundespräsidenten nebeneinander auf dieselbe Ebene und läßt sie denselben Aufzug benutzen – Ehrengäste.

Der Akustiker, Professor Cremer, hat den Saal an einem großen Modell akustisch geprüft und verbessert, unter anderem durch das Neigen von Wänden und durch pyramidenförmige "Helmholtz-Resonatoren", die auf beiden Seiten des Orchesters an der Decke angebracht wurden. Dafür, daß sich die Musiker auch gegenseitig hören können – sie sitzen hier ja nicht in einem Kasten, sondern frei im Raum – sollen Kugelflächenausschnitte aus Kunststoff sorgen, die über dem Orchester an der Decke hängen.

Der Akustiker ist bis jetzt mit dem Saal zufrieden, und wenn nicht alles täuscht, wird die Philharmonie für ihre gute Akustik bekannt werden. Der Schall erreicht jeden Platz sowohl direkt als auch von der Saaldecke reflektiert. Er wird vielfach aufgelöst, vor allem durch die schrägen Saalwände und die vielen "Terrassenwände", die in verschiedenen Höhen und Winkeln zum Orchester stehen.

Scharoun wird schon jetzt, wie ein guter Wirt, nach den "empfehlenswerten" Plätzen in seinem Lokal gefragt. Die Antwort ist nicht leicht. Alle achtzehn Lagen an den Hängen des Saals haben ihren besonderen Reiz. Die Kenner müssen selber ausprobieren, welche die beste ist.

Wie kommen nun die Zuhörer in den Saal hinein?