Von Edmund Wolf

Ein preisgekröntes Werk in einer kalifornischen Ausstellung erwies sich als das Gemälde einer 22 Monate alten Künstlerin.

Warum nicht? Wenn Malerei Entfesselung des Unbewußten in direkter Aktion ist, unter völliger Ausschaltung des Intellekts – warum sollen dann nur Erwachsene mitspielen dürfen?

In Osaka gibt es einen jungen japanischen Maler, der mit nackten Füßen in Eimern, voll mit Farbe, steht, dann auf einem Seil hin und her schwingt und mit den Füßen malt. Seine Bilder sollen „wild dynamisch“ sein.

Man stelle sich erst vor, welche Intuition die kleine Kalifornierin entfalten würde, wenn ihre Eltern sie an einem Seil hin und her schwingen und mit den Füßen malen ließen. Das wären Aussichten!

Die gefährliche Gesellschaft Chruschtschows verschlägt einem zwar das Lachen – aber es läßt sich gar nicht leugnen, daß Millionen und Millionen Menschen in Deutschland, in der ganzen westlichen Welt, vor der Abstraktion auf der Leinwand, dem Tachismus, der Aktionsmalerei ratlos lachend dastehen oder ratlos empört.

Diese Kleckse und Schnörkel sind für sie ausgemachte Narrheit, wenn nicht gar bewußter Schwindel, und die weltweite Mode, die das Gekleckse genießt, eine depremierende Degenerationserscheinung unserer Kultur. Sie sehen in solchen Gemälden nur Scharlatanerie oder Idiotie. Sie sehen bestenfalls „apokalyptische Tapetenmuster“.