Von Walter Henkels

Die kleine Stadt, von der hier berichtet wird, ist kein Idyll, wie es Karl Spitzweg vor hundert, Salomon Geßner, der Schweizer, vor zweihundert Jahren zeichneten.

Das Idyllische geht ihr nicht gänzlich ab, aber die „Kleinstadtromantik“ hat nicht das Genrehafte jener Zeiten. Die Straßen tragen kein Kopfsteinpflaster, sondern eine moderne Decke; die Häuser sind keine mittelalterlichen Baulichkeiten mit vorgekragten Stockwerken, sondern meist nüchterne Backsteinbauten im Nutzbaustil.

Nichts Mittelalterliches ist hier mehr spürbar, obwohl das Städtchen seine Geschichte hat, selbstverständlich. Ein Erzbischof wollte ein Kloster bauen, aber dann passierte, der Ortschronist behauptete es, ein Mord. Der Mord war Grund genug, das Kloster nicht zu bauen.

In der Reformationszeit trat die Kirchengemeinde zum lutherischen Glauben über. Einmütig, wie man lesen kann. Heute gibt es fast soviele Katholiken wie Evangelische im Städtchen.

Welche Veränderungen in der Gesamtstruktur – sagen wir – die Buchdruckerkunst, das Pulver, die Entdeckung Amerikas oder, um nur Beispiele zu nennen, der Eisenbahnstrang in den siebziger Jahren, den man hier vorbeiführte, und schließlich der letzte Krieg ausübten, läßt sich nicht sagen.

Läßt es sich wirklich nicht sagen?