Unkonventionell

Der „Kronprinz“ der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Professor Balke, hat im Bonner Presseclub sein Vizepräsidenten-Debüt gegeben. Seine improvisierte Inauguralrede löste bei den anwesenden Pressevertretern mehrfach Beifall aus, was bei derartigen Anlässen nun wirklich nicht üblich ist. Wohltuend wurde die offene und mutige Sprache empfunden, die der ehemalige Bundesminister pflegte und die bei gar manchem der anwesenden Journalisten die Frage aufkommen ließ, wie lange sich wohl der designierte Nachfolger Paulssens seine innere Unabhängigkeit von allen verbandspolitischen Denkschemen bewahren wird. Er bezeichnete den Präsidenten der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände und den Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes als „Feldherren ohne Truppen“, er sprach sich für eine gewisse „Stärkung“ der Gewerkschaften aus und hielt auch nicht mit seiner ganz persönlichen Skepsis gegenüber Sachverständigenräten aller Art hinter dem Berg. Ganz unkonventionell erzählte Professor Balke dann von seinen persönlichen Erfahrungen mit Tarifverhandlungen, in denen man sich bis frühmorgens mit gefletschten Zähnen gegenübersitze, dann aber doch nicht zubeiße, weil sich beide Seiten plötzlich an ihre künstlichen Gebisse erinnern. Die Lacher hatte er in Bonn auf seiner Seite. Doch im Verbandsapparat der Arbeitgeber wird Humor nicht unbedingt groß geschrieben. Dort gibt es nicht wenige, die gern eine Persönlichkeit auf dem Sessel des Arbeitgeberpräsidenten sehen möchten, die gegenüber den Gewerkschaften einen „härteren Kurs“ zu steuern bereit ist. Doch Balke fürchtet offensichtlich weder die Herren Berg noch Reusch.

Zu jung

Die „Soziale Ordnung“, das Publikationsorgan des sogenannten linken Flügels der CDU, gibt der Konzentrations-Enpuete kaum noch Chancen. Mit diesem Pessimismus stehen die CDU-Arbeitnehmer gewiß nicht allein, wohl aber mit ihrer Begründung: die „jungen Verwaltungsangestellten“ der beim Bundesamt für gewerbliche Wirtschaft eingerichteten Enquete-Abteilung seien mit den ihnen übertragenen Aufgaben „offensichtlich überfordert“. Dies gelte insbesondere für den „etwa 33jährigen Verwaltungsangestellten im Bundeswirtschaftsministerium namens Dr. Knaus“, der sich mit einer Schar etwa gleichaltriger Diplomvolkswirte und Diplomkaufleute umgeben habe. Auf diesen „ehrgeizigen“ Dr. Knaus seien die Arbeiten des Generalsekretariats verlagert worden, weil sich der derzeitige Generalsekretär Dr. Schmalz nur zu einem „winzigen Bruchteil“ diesen Aufgaben widmen könne. Statt auf jugendliche Assistenten von Professoren zurückzugreifen, so wird empfohlen, sollten mehr unabhängige Beamte für diese wichtige Konzentrationsuntersuchung eingesetzt werden. Als ob Altersweisheit und Beamtenstatus alleinige Voraussetzung für das Gelingen dieser Enquete sein könnten! Wenn freilich sachliche Argumente fehlen, stellt sich hierzulande ein Hinweis auf den Geburtsschein der zu disqualifizierenden Persönlichkeit schnell ein