B. Brüssel, im Mai

Europäer und Amerikaner haben im ersten Treffen zur „Kennedy-Runde“ in Genf hemdsärmelig und hart miteinander um die atlantische Partnerschaft EWG-USA verhandelt. Die Vertreter der Alten Welt standen ihren Freunden vom anderen Gestade des Atlantik um nichts nach. Es sprachen selbstbewußte, europäische Partner.

Immerhin bestehen nach dem Ende der fünftägigen Ministerkonferenz des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) gute Aussichten, über die Schlaglöcher weiterzukommen. Erst im Frühjahr oder Frühsommer 1964 sollen die eigentlichen Verhandlungen über Präsident Kennedys Plan beginnen, die meisten Zölle in Hamburg wie in New York binnen weniger Jahre auf halbe Höhe zu setzen. Die freiere, schärfere Konkurrenz soll die amerikanischen und europäischen Wirtschaften zu besserer Leistung zwingen.

Der intensivere Handelsaustausch zwischen USA und EWG-Europa muß zugleich etwaige Versuche des Generals de Gaulle erschweren, eines Tages die Abkehr Europas von seinem atlantischen NATO-Verbündeten einzuleiten.

Die Tatsache, daß die gemeinsame EWG-Haltung in den fünf Genfer Tagen die Zustimmung auch Professor Erhards fand – eines Pioniers der atlantischen Partnerschaft –, zeigt, daß die Kritik der EWG am amerikanischen Plan tatsächlich aus der Sorge um Europas Wirtschaft erwuchs: die USA möchten – mit sechs Millionen Arbeitslosen! – nächstes Jahr das bessere Unterhandlungsgeschäft machen. Die Europäer auch.