Ein Kriminalroman, der nicht anonym bleiben sollte

Ich will nht behaupten, daß der Krimi, den ich vor ^wir habe, zur „Literatur“ gehöre; aber was man das aus? Ich will behaupten, daß es nichts aunacht. Wir haben in den letzten Jahren viel iteratur serviert bekommen, hochprominente, der was heute unter den Modernisten für ^hchprominent gilt – hochgestochen, hochgelobt, ^achgestapelt. Viel Schweiß klebt meistens ^dara, und wenn es nur tüchtig sauer riecht vor Piblematik, Psychopathie, unbewältigten Kompken, Neurosen und auch formalen Trapezakn, ist man weidlich abstrapaziert und hoch ^mit sich zufrieden, daß man mal wieder so rech in der Mangel des Geisteslebens gewesen ist un durchgestanden hat.

Also, ich hat da einen Krimi vor mir. Er ist auf gelbem Paer gedruckt und damit schon als Thriller ^gebranmarkt –

John Bingha: „Warum haben Sie gelogen, Sir?“, Roma Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek; 22S., 2,20 DM.

Es juckt und reibt mich zu gestehen, daß ich diesen Kriinalroman lieber gelesen habe und besser findals so ziemlich alles, was auf unserem merkwdigen Markt nach vorn und oben geschwemr worden ist. Er ist ungeheuer spannend und efach und klar geschrieben, von Anfang bis Seht in richtiger Reihenfolge, mit nursolchen Riblenden, die die Handlung wirklich verlangmit Konflikten, die auch ohne nervenärztliche ^rarung zu verstehen sind, obgleich ein nervlicr Konflikt darin obenan steht; mit überschaubar Charakteren und ohne den geringsten Leeria in der Schilderung, ein Meisterstück des ^erzäerischen Flusses.

Wenn man ^die Handlung wiedergibt, erst dann merkt ma daß es sich um eine Entwicklung dreht, ^mie auch hoher und höchster Literatur zur ^Eh gereichte; aber das hier ist darum keine ^Litetur, weil man es nicht merkt. Es dreht sich unden Nervenkrieg eines Unschuldigen, der es Mordes verdächtigt und, da etliche ^Indizie schwer gegen ihn ins Gewicht fallen, votier Polizei immer mehr in die Enge getriebe sich immer törichter benimmt. Nun, das t es doch in sich; aber es ist alles so flüssig und leichthändig gemacht, wie es nur angelsächsie Autoren machen können.

Man mag sich klein wenig darüber wundern, aber ich ^fier man darf nicht darüber klagen, daß ^einolches Buch, welches im besten Sinne ein man ist, dieses Wort als ehrenwerter ^Begren verstanden, welches ein guter Roman ^istlicht in einem anspruchsvolleren ^Gewandrschieren ist, mit hochtrabendem ^Klappext und mit Schutzumschlag nebst Celloanhülle und dazu Bauchbinde, was alles ^ihils ernst zu nehmendes Produkt ernst zu nehnden Schrifttums ausgewiesen hätte, sondern; Taschenbuch mit Krimi-Brandmarkung, braiert und billig, gleichsam unter Verzicht auf zensionen namhafter, den modernsten ^Maschererschworener Kritiker.