Nachspiel zu den Schwabinger Krawallen – Unterricht in Demokratie

Loe, München

Polizeiobermeister Hans Wiesenberger hob seine Stimme: „Menschen vom Schlage Till Burgers, die mithalfen, die Demokratie zu Tode zu trampeln, wollen uns Polizisten heute Unterricht in Demokratie erteilen!“ Wiesenbergers Kollegen – die Versammlung fand vorletzte Woche in einem Münchner Bierkeller statt – teilten lebhaft die Empörung des Referenten.

Rechtsanwalt Till Burger wird in Münchner Polizistenkreisen spätestens seit Juni vergangenen Jahres als lästig empfunden. Damals flogen unter dem Stichwort „Krawall“ in Schwabing die Gummiknüppel: An zweihundert Personen, darunter dreißig weiblichen Geschlechts, wurden von Uniformierten geschlagen und zusammengeschlagen; eine beträchtliche Anzahl mußte sofort in Kliniken eingeliefert werden (Oberbürgermeister Vogel: „Wir konnten nicht zwischen Schuldigen und Unschuldigen unterscheiden.“). Alsbald bildete sich eine „Interessengemeinschaft zur Wahrung der Bürgerrechte“, deren juristische Betreuung Burger übernahm.

Den Anwalt interessierten nicht nur die Geprügelten, sondern auch die Prügler. Er leistete einschlägige Detektivarbeit mit dem Ergebnis, daß immerhin 131 Ermittlungsverfahren gegen Polizeibeamte anliefen. Freilich blieb das Resultat bislang mager: Etwa 60 Zivilisten wurden mittlerweile verurteilt oder freigesprochen, aber nur zwei Uniformierte gelangten vor Gericht. Doch die Schuld an dieser wundersamen Proportion liegt verständlicherweise nicht bei Burger.

Von den beiden Polizisten erhielt der eine sechs Wochen Gefängnis; er hatte einen nichtsahnenden Studenten auf der Straße derart in den Rücken gestoßen – „halt so ein Wischer“ –, daß der sich beim Sturz eine Kniescheibe brach und bis an sein Lebensende im Sinne des Strafgesetzbuches „entstellt“ sein wird. Strafmildernd fand Berücksichtigung, daß der Schläger noch sehr wenig Diensterfahrung aufwies und in der Polizeischule „nicht besonders gut unterrichtet worden“ sei.

„Unzurechnungsfähig”