Entdeckungen an der Bundesstraße 11 – Klöster und Kuriositäten

Wenn der Hamburger oder der Berliner von Bayern spricht, dann meint er, als verstehe sich das von selbst, Oberbayern – eigentlich sogar nur das bayerische Gebirgsland. Allenfalls denkt der eine oder andere auch an die fränkischen Gebiete, ganz gewiß denkt aber niemand an Niederbayern. Der internationale Tourismus, auf landschaftliche Sensationen versessen, findet freilich hier auch keine Ziele, mit denen sich renommieren ließe. An geschichtsträchtigen Kulturdenkmälern indessen ist dieser Landstrich nicht ärmer als irgendeine andere Gegend des Freistaates Bayern.

Möglich, daß sich jetzt an der touristischen Nichtachtung Niederbayerns etwas ändert, da die Reiseunternehmer gerade dabei sind, den Bayerischen Wald und die Oberpfalz zu entdecken. Es ist daher an der Zeit, sich zwischen dem Touristenzentrum München und diesen neu erschlossenen Gebieten umzuschauen.

An der Bestiensäule

Folgen wir dabei zunächst dem Lauf der Isar und der sie begleitenden Bundesstraße 11.

Nur 27 km nordöstlich der Landeshauptstadt liegt das alte Freising, eine „geistliche Stadt“ par excellence, Kulturwiege Bayerns im Mittelalter, noch heute Bildungsstätte für den Klerikernachwuchs des Erzbistums München-Freising; dazu Sitz landwirtschaftlicher Lehr- und Forschungsanstalten der Münchner Universität, einer Brauereischule, und Quelle des berühmten Weihenstephaner Biers. Es fließt nicht nur im Ratskeller, nahe der anmutigen Mariensäule, sondern auch in einem ihm eigens gewidmeten Bräustüberl.

Der Domberg krönt und beherrscht das Stadtbild. Die Geschichte seiner Baulichkeiten reicht bis in das achte Jahrhundert zurück. Wie so viele bayerische Kirchen verwandelte sich der Freisinger Dom aus der ursprünglichen romanischen Basilika in ein Prunkstück barocken Form- und Farbenüberschwangs, wie er der welt- und schönheitsfreudigen Frömmigkeit bayerischer Lebensart so sehr entspricht. Und wie an so vielen bayerischen Orten waren es auch hier die Brüder Agid Quirin Asam und Kosma Damian Asam, die dem Gotteshaus die repräsentative Pracht, seinen Reichtum an Ausdrucksformen des geistigen Aufschwungs und der kirchlichen Würde verliehen.