Sie schüttelte sich vor Lachen. Bräutigam, wie kann man den Zukünftigen bloß als Bräutigam vorstellen! Und deshalb sprach sie ständig in Umschreibungen: Mein Zukünftiger, mein zukünftiger Mann, mein Mann, mein Eberhard, er, manchmal auch mein Verlobter. Genauso belustigend findet er es, von seiner Braut zu sprechen. Braut und Bräutigam sind veraltet und mit albernen Erinnerungen an die Großmutter beladen. Aber dabei spielen in Deutschland auch gewisse Hemmungen eine Rolle: Bräutigam zu sein, ist beinahe Spottes wert – seht mal, der Arme, der heiratet. Oder muß er sogar heiraten?

Dabei können sie es alle nicht erwarten zu heiraten, die jungen Leute, von sechzehn angefangen. Sie sagen auch nicht mehr: Das ist mein Freund, das ist meine Freundin. Sie scheuen sich, ihn oder sie und ihre Beziehungen einfach beim Namen zu nennen, und sie ergehen sich ungeschickt in indirekten Bezeichnungen: mein Bekannter, Herr Sowieso, der Wolfgang Sowieso, oder sie sprechen kalt von„meiner Frau“, die zumindest nicht de jure „meine Frau“ ist – aber wahrscheinlich de facto.

Junge Leute sind darauf aus, ihren „festen“ Partner zu haben, den ihnen keiner wegnehmen darf, nicht einmal beim Tanz. Eine 25jährige Blondine stöhnte einmal über die sogleich Besitz ergreifenden jungen Männer. Sobald sie andeutete, daß ihr noch nichts am Heiraten gelegen sei und daß sie auch nicht geneigt sei, ein flottes Abenteuer auf der Couch oder auf der Wiese mal eben mitzunehmen, floh „der Bekannte“.

Er und seinesgleichen – es sind die meisten – formulieren es zuweilen so: „Wie komme ich dazu, soviel Zeit und Gefühle zu investieren?“ Sie verlangen wie im Bankgeschäft Sicherheiten, und möglichst sollen die Zinsen sofort ausgezahlt werden. „Das zahlt sich ja nicht aus“ ist eine durchaus gebräuchliche Wendung.

Meine „Frau“, meine Bekannte, meine Freundin – das Possessivpronomen ist wichtig. Selbst bei vergnüglichen Partys unter unverheirateten jungen Leuten gehört es sich, gefälligst für einen Partner selber zu sorgen. Wer allein erscheint und hofft, Bekanntschaften zu schließen, wird enttäuscht: Es sind alle längst fest vergeben.

Die Eltern fügen sich drein. Weniger aus reiner Freude als aus Besorgnis um die Konvention geben sie ihr Placet für die frühe Ehe. An ihrer Stelle hat eine andere Instanz ja oder nein zu sagen, wenn die Eheaspiranten noch nicht volljährig sind: das Gericht. Es fügt sich dem „Trend“ der Zeit. Kaum fünfzehn Prozent der jugendlichen Anträge auf Volljährigkeit und Ehemündigkeit werden abgelehnt. Die Psychologen haben nichts dagegen einzuwenden: Lieber sollen sie heiraten – auch damit das viel zu früh sich ankündigende Baby einen „anständigen Namen“ bekommt –, als daß der „weitere Abbau der Liebesbeziehungen in unserer Zeit“ gefördert wird. Es ist allgemein: Der Beruf sehrgeiz hat den Liebesehrgeiz überrundet.

Ehe Eltern – wenn, dann meist zu spät – beginnen, ihre Kinder „aufzuklären“, oder wenn die Schule versucht, mit biologischen Parallelen aus der Fauna unzulängliche Andeutungen zu geben, wissen die jungen Leute längst Bescheid.