Hermann Riedle: Rebellen

gegen die Obrigkeit

Die Zahlen mögen noch so nüchtern, die Worte noch so hehr und die Kurven noch so niedlich sein – wie hohl klingt das Thema „Entwicklungshilfe“ in Verbindung mit der Kaffeesteuer.

Die Kaffeesteuer ist nun einmal „ab ovo“ unsittlich. je geringer das Einkommen, um so höher ist die prozentuale Belastung, die mit wenigen Tassen Lorke am Tag vielleicht bis zu 5 % (und darüber) des Einkommens betragen kann. Der Gutverdienende zahlt aber nur Nullkommasoundsoviel seines Einkommens, selbst wenn er den ganzen Tag starken Kaffee trinkt. Moral? Keine! Logik? Keine! Oder? – Drum trinkt man denn den dünnsten Kaffee der Welt in Deutschland. Die Kaffeesteuer wird zur Wassersteuer!

Wegen des Brotpreises ging man früher auf die Barrikaden. Heute nicht einmal wegen einer Kaffeesteuer. Wir sind tief gesunken. Aber sind wir das wirklich? Haben wir uns je richtig aufgebäumt, statt unseren gerechten Zorn in Form von Leserbriefen abzureagieren?

Richten wir denn als demokratische Untertanen einer demokratischen Obrigkeit die öffentliche Frage an alle Kanzler in spe: „Sind Sie sittlich? Wenn ja, lieben Sie Kaffee? Oder haben Sie einen mißgünstigen Charakter? Wenn ja, hat Ihnen der Arzt etwa den Kaffee verboten?“

Die Keckheit dieser Fragen – Folge einer ausnahmsweise starken Tasse Kaffee – – möge uns verziehen sein. Franz Schlesinger, Berlin