„Spiel mit dem Schicksal“ (England; Verleih: Warner): Ein Film von der Art, die im Gerichtssaal endet. Angeklagt ist der Lehrer (Laurence Olivier) der versuchten Unzucht mit einer Abhängigen (Sarah Miles). Wie kam es dazu? Nun, die Schülerin entstammt halt dem Dirnenmilieu, und der Lehrer ist Kriegsdienstverweigerer; so was kommt von so was. Dann spielt ein Hotelzimmer Schicksal, auf der Klassenreise, aber nur beinahe: Der Lehrer bleibt tugendhaft, und die Schülerin erfindet die Verführung aus verschmähter Liebe. Peter Glen Ville macht aus der frustierenden Geschichte einen frustierenden Film. Bis zum Schluß meint man, jetzt, jetzt endlich bekäme er sein Thema in den Griff: das große Thema von den Tugenden, die sich nicht auszahlen. Der Regisseur beobachtet genau und sicher: Eine Einstellung, in der die Lehrersfrau (beachtlich: Simone Signoret) dem Lehrersmann das Essen auf den Tisch setzt, sagt mehr über die Ehe und das Leben des Helden aus, als alle Dialoge zusammengenommen. Und es wird unentwegt palavert in diesem Film, eine Satzkröte nach der anderen hupft den armen Darstellern aus dem Mund, denn verfilmt wurde ein schöner fetter Lese-Roman, Term of Trial von James Barlow: Marke gehobene Unterhaltung. Vergeblich sucht der Film sich diesem Bereich zu entwinden, aber er schafft und schafft es nicht; irritierend, dieses Spiel mit der Filmkunst. kub

„Kennwort Kätzchen“ (USA; Verleih: Columbia): Backfischhaft in einen CIA-Agenten verliebt, spielt die abgewiesene minderjährige Tochter des amerikanischen Botschafters in London Spionin auf eigene Faust. Ihr Kapital sind ihre Keßheit und ihre süperbe Erziehung in einem Schweizer Pensionat, das Diplomatentöchter aus West wie Ost, aus Amerika wie aus Volkschina, beherbergt. Die Wirklichkeitsferne des Vorwurfs fordert seine satirische Aufbereitung geradezu heraus. Doch wie es dem Schocker-Spezialisten William Castle trotz trächtiger Themen bis heute nicht glückte, Hitchcock (mit „Mörderisch“) oder den Horrorfilm (mit „Macabre“) zu parodieren, so mißlingt es ihm hier, Kalte-Kriegs-Psychosen und Geheimdienstklüngel ironisch zu apostrophieren, Auch die dubiosen Witzchen, die Castle sich auf Kosten des Klischees vom asiatischen Untermenschen leistet, verbleiben in den Niederungen von Klamauk und Brutalität. rpk