NORDDEUTSCHER RUNDFUNK

Sonnabend, 18. Mai, das Hörspiel:

Das Funkdrama, das vor kurzem, mit knappem Stimmenvorsprung vor Dieter Meichsners „Morgengebet“, den Hörspielpreis der Kriegsblinden für das Jahr 1962 davontrug – „Geh David helfen“, Hans Kaspers erstes Hörspiel –, eine Gemeinschaftsproduktion des Hessischen und des Bremer Rundfunks: jetzt macht es die Runde durch die deutschen Funkhäuser, auf daß auch Nicht-Hessen und Nicht-Bremer den Spruch der aus neun Kriegsblinden und neun Hörfunkkritikern zusammengesetzten Jury überprüfen können.

Das spielt also am Rand eines antiken Schlachtfeldes, zwischen zwei Personen männlichen und zwei weiblichen Geschlechts, die sich über den Krieg und die Liebe unterhalten (in stilisiertem Antikisch, das zum Beispiel so klingt; „Dickereben, der Demosthenes könnte einpacken, wenn du ins Parlament kämst!“ – „Wer ist denn Demosthikus?“) und die sich schließlich miteinander verliegen.

Die reichlich karge Fabel der Sache ist allerdings nur dazu da, Pointen an ihr aufzureihen. Das muß eine sonderbare Krankheit sein: keinen Satz hinschreiben zu können, der nicht wer weiß wie witzig ist. Da hagelt es denn auf den Hörer ein: „Ausprobierte Moral ist der beabsichtigten weit überlegen“, „Du bist ein Mann, sonst nichts, und das ist wenig“, „Die Wirkungen treffen auch den, der die Ursachen verachtet“, „Wer andrer Leute Einfälle zitiert, ist noch nicht immer ein Dichter“ – lange Ketten von Bonmots, schlechten und besseren, für jede Lebenslage das passende, eine Stunde lang, höchstens von Sentimentalitäten unterbrochen wie: „Du wirst mich freundlich streicheln und wirst gehen.“ Aber der ganze angestrengte und anstrengende Klugschnack summiert sich zu wenig – zu nicht viel mehr als der Erkenntnis, daß Kriege roh sind und manche Krieger nicht genau wissen, weshalb sie kämpfen.

Verblüffend noch die Schlußpointe. Der junge Held Hurrah, der das Gedächtnis verloren hat und sich nicht erinnern kann, auf welcher Seite er kämpfte, schlägt sich gerade die Nacht auf angenehme Weise um die Ohren, da bummert ein Soldat an die Tür, und als er fortgeschickt ist, kommt ein anderer, ein kleinerer, der David heißt, und der klopft höflich an – woraufhin dem Hurrah auf der Stelle der Sinn seines Lebens aufgeht: „Wo Türen respektiert werden, kannst du leben – ich gehe zu denen, die anklopfen ... Die Sache mit der Tür ist zu wichtig.“ D. E. Z.