Ein Jubiläum, das Trost, aber keinen Jubel verursacht

Von Haug von Kuenheim

Wer will es den gelehrten Verfassern historischer Darstellungen verargen, wenn sie siegreiche oder verlorene Schlachten, Revolutionen und Aufstände stets nur im Licht Epoche machender Veränderungen zeigen, die für das Leben der Völker von Bedeutung sind? Da wird dann die Schlacht von Leuthen zu einer entscheidenden Auseinandersetzung im Siebenjährigen Krieg, die Preußens politische Machterstarkung bestätigt. So hat man es gelernt und kann es. nachlesen. Und blättert man wahllos weiter: Graf Cavour, der Mann, der Italien einigte, brauchte den Krieg; er reizte seinen österreichischen Nachbarn, der ließ sich reizen und verlor bei Magenta und Solferino. Zwei Schlachten, die den Weg zur Einheit Italiens markierten, so steht’s in den Büchern, man hat es gelernt und ... vergessen.

Aber: Solferino, 1859, Tausende von Toten, Tausende von Verwundeten – Henry Dunant – Genf – rotes Kreuz auf weißem Grund – Sternstunde der Menschlichkeit – Geburtsstunde des Roten Kreuzes – man weiß es doch.

Bleiben wir gerecht: In der Geschichtsschreibung, die die Konturen der geschichtlichen Zusammenhänge der Völker zeigt, ist der Genfer Bürger Henry Dunant nur eine Randfigur.

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Andere Federn bemächtigten sich seiner Person. Viel sentimentales Pathos rankte sich im Laufe der Jahrzehnte um ihn. Was ist geblieben?