BASEL (Galerie d’art moderne Marie-Suzanne Feigel): „Arp – Calder – Marini“

Den ganzen Sommer über, bis zum 30. September, zeigt die Galerie in ihren neuen Räumen (Rittergasse 22) diese drei von ihr vertretenen Bildhauer – extremste Positionen innerhalb der zeitgenössischen Plastik. Von Arp (außer einigen älteren Bildern und Collagen) neueste Holzreliefs, die berühmte Bronze „Träumender Stern“ von 1958 und als letztes abstrakt-figuratives Werk den „Torse-femme“ von 1962 aus schwarzem Granit. Calder ist mit vier großen Mobiles und den spielzeughaffen zwanzig Zentimeter hohen Petits Stabiles-Mobiles vertreten. Unter den 20 Arbeiten von Marini dominieren Tuschzeichnungen und Gouachen aus den dreißiger Jahren. Auch Kleinplastik ist dabei, Reiter und Tänzerinnen in Bronze, Entwurfskizzen für die bekannten großen Figuren. Die Ausstellung ist vor allem für Sammler interessant.

BIELEFELD (Städtisches Museum): „Marcks

Das neueste Werk von Gerhard Marcks ist die Bronzetür für die Altstädter Nicolaikirche in Bielefeld. Bevor sie an die Kirche kommt, ist sie – bis zum 2. Juni – im Städtischen Museum ausgestellt. Das Publikum soll dem Werk erst einmal an profanen Stätte, unbefangen gegenübertreten. Um das künstlerische Verständnis zu vertiefen, hat Museumsdirektor Dr. von Moltke Entwurfsskizzen, Vorzeichnungen, das Bronzemodell für die Bielefelder Tür und für die Marktkirche in Hannover mitausgestellt. Auf der Bielefelder Tür, seiner fünften Kirchentür, hat Gerhard Marcks den Einzug in Jerusalem und Ecce Homo dargestellt, unter der einen Szene drei jubelnde Mädchen, unter der andern drei höhnende Männer. Eine geringe Zahl von Figuren, Verzicht auf erzählendes, flächenfüllendes Detail, die Bewegung ist auf eine grobe durchlaufende Gestik reduziert, die Parallelität der jubelnden und der höhnenden Gruppe bindet die beiden Szenen – nicht nur formal – zur Einheit. Die erste Skizze zum Ecce Homo ist vom Februar 1924 datiert. 1940 taucht das Thema – in einem vernichteten Gipsmodell – wieder auf. Die Bielefelder Tür ist – trotz romanischer Reminiszenzen – ein ganz überzeugendes Beispiel heutiger Kirchenkunst.

HAMBURG (Kunsthaus Hamburg):

„Hamburger Kunst von 1912 bis heute“

Endlich haben die Hamburger Künstler, was sie seit 27 Jahren nicht mehr hatten und was sie dringend brauchen, um sich selbst, aber auch auswärtige oder sogar ausländische. Künstler und Künstlergruppen dem Publikum zu präsentieren: das eigene Ausstellungshaus. Es heißt „Kunsthaus Hamburg“, hat viel Glas und wenig Wände zum Bilderhängen. Zur Eröffnung bringt der Berufsverband bildender Künstler statt seiner üblichen Jahresausstellung eine Retrospektive auf die Hamburger Kunst der letzten fünfzig Jahre. Hanburger Kunst – oder Kunst in Hamburg? Schon Lichtwark und Pauli haben sich vergeblich bemüht, das spezifisch Hamburgische an der Hamburger Kunst zu entdecken. Die jungen Hamburger von 1910 holten sich mit Friedrich Ahlers-Hestermarn Anregungen aus Paris. Nölken, Friedrichs, Rosan sind bis heute kaum über Hamburg hinausgedrungen. Ivo Hauptmann, wie ein sehr großer Teil der Hamburger Künstler ein Zugereister, malte 1912 den Hamburger Hafen im reinsten Pointillismus. Die zwanziger Jahre in Hamburg, die Aera Sauerlandt, verdienten eine gründlichere Dokumentation, als sie in dieser sporadischen Übersicht versucht wird – ähnlich wie das im vorigen Jahr Hannover mit seinen zwanziger Jahren unternommen hat. Das Stichwort heißt: Hamburger Sezession – die meisten der bekannten heutigen Maler, mit Kluth, Nesch und Bargheer angefangen, haben ihr angehört. Eine „Stadtlandschaft“ von Karl Ballmer, der später in die Schweiz ging, ist ein melancholischer Beitrag zum Thema vergessene Talente. Die Gegenwartsschau ist etwas wahllos und in Eile zusammengerafft. Um sich nicht dem Vorwurf des Provinziellen auszusetzen, hat man reichlicher als in früheren Jahren globale Allerweltsmalerei, informel aus der dritten Hand, zugelassen. Ein paar der besten Hamburger Maler fehlen. Hinter dem Haus, als Plastik im Freien, sind einige gute Arbeiten der anerkannten Hamburger Bildhauer Seitz Ursula Querner, Ruwoldt, Reichhold plaziert. Vor allem für auswärtige IGA-Besucher, die von einer Kunst in Hamburg wenig wissen, ist die Ausstellung sehenswert. Sie dauert bis zum 9. Juni. g. s.