D. S. Solingen, im Mai

Ein Amtsgerichtsrat und zwei Schöffen sollen in Solingen eine Antwort auf die Frage finden: Sind die Generale Heusinger, Speidel, Foertsch, Kammhuber und der Admiral Ruge des „Massenmordes“ schuldig oder nicht?

Diese Frage hatte der DFU-Mitbegründer Lorenz Knorr aufgeworfen, – der 1961 bei einer Wahlkampfveranstaltung in Solingen von den „Nazi-Generalen“ gesprochen hatte, die heute wieder in Amt und Würden seien, und die als des „Teufels Generale“ wie „Eichmann in einen Glaskasten“ gehörten. Der damalige Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß und die fünf Offiziere, die Knorr namentlich genannt hatte, zeigten ihn daraufhin wegen „formeller Beleidigung und übler Nachrede“ an.

Die Landgerichte in Frankfurt am Main und in München lehnten die Einleitung eines Beleidigungs-Prozesses in Sachen „Strauß und andere gegen Knorr“ ab; daraufhin übernahm die Oberstaatsanwaltschaft Wuppertal den Fall. Vor dem zuständigen Solinger Amtsgericht erhob sie Anklage. Am vorigen Freitag begann der Prozeß.

„Halten Sie Ihre damaligen Behauptungen auch heute noch aufrecht?“, fragte der Richter.

„Jawoll!“, antwortete Knorr.

Vor sich hatte der Angeklagte, der mit zwei Koffern voller Dokumente, Bücher und Drucksachen aus Frankfurt angereist war, sein Verteidigungsmaterial, säuberlich nach Sachgebieten getrennt, auf einem Tisch aufgebaut: die Protokolle des Nürnberger Tribunals, Photokopien von Geiselerschießungs-Befehlen, Mappen mit Durchschlägen von Aussagen und dickleibige Bände über die Geschichte des Dritten Reiches. Und nun setzte er abermals zu einem Frontalangriff gegen seine Kontrahenten an: Sie hätten, im Sinne des Nürnberger Urteilsspruches, an der „Vorbereitung und Durchführung eines verbrecherischen Angriffskrieges“ teilgenommen, sie trügen eine Mitschuld an dem Tod von über 50 Millionen Menschen. Mit rund dreihundert Dokumenten will Knorr beweisen, daß er im Recht war, als er im Juli 1961 diese Offiziere der Bundeswehr als „Massenmörder“ bezeichnete.