Drucktastensteuerung für Gefühle Der Mensch ist der billigste aller Roboter

Von Theo Löbsack

Der Gedanke beunruhigt: Menschen, die mit haarfeinen Drähten im Gehirn leben, Drähten, die in kleinen Kapseln auf der Schädeldecke enden, wo sie Radiowellen empfangen. Und irgendwo steht ein Sender, der genormte Programme ausstrahlt. Die per Funk übertragenen elektrischen Impulse reizen die Hirnzentren, steuern unser Tun und Lassen, steuern unsere Gefühle, unsere Liebe und unseren Haß: Willensbildung durch eine zentrale Aufsichtsbehörde, durch Orwells „Big Brother“.

Das Unheimliche an dieser Vision ist, daß sie schon morgen wahr werden könnte. In Amerika fand unlängst ein bemerkenswertes Experiment mit einem Affen statt: Man senkte dem Tier eine Elektrode ins Gehirn, dorthin, wo die Neurophysiologen ein sogenanntes „Wonnezentrum“ entdeckt hatten. Wurde der Strom eingeschaltet, dann empfand der Affe ein nie gekanntes Glücksgefühl, dem er unwiderstehlich verfiel. Der stromliefernde Mechanismus war mit einer Photozelle gekoppelt. Sie verschaffte dem Affen solange Lustempfindungen, wie er einen bestimmten, vom Sonnenstand abhängigen Weg ging. Wich er vom Wege ab oder blieb er stehen, so blieben auch die „Belohnungen“ aus. Der Affe marschierte ohne Unterlaß. Nach langem Gang durch wildes, unbekanntes Gelände erreichte er wohlbehalten eine Zielstation. Dort wurde der Mechanismus für den Rückweg adaptiert und das Tier fand auch diesen prompt, ohne Mithilfe einer Funkstation.

Eine Zukunft der manipulierten Gehirne? Das wäre kaum auszudenken. Aber die Praxis, das Menschenhirn elektrisch zu beeinflussen, hat im Einzelfall unstreitbar auch segensreiche Seiten.

Haben wir uns nicht alle schon gewünscht, mehr zu leisten, als es uns gegeben scheint? Würden wir nicht gern ein wenig „über uns hinauswachsen“, wenn wir nur wüßten, wie? Vielleicht ruht die Zauberformel dafür in dem Schlingwerk unserer Gehirnwindungen? Wer weiß denn, welche ungenutzten Impulse für sein geistiges und körperliches Tun noch in ihm schlummern? Wenn unser Gehirn auch seine Leistungsgrenze hat, so bleibt doch zu fragen, ob diese Grenze beim einzelnen Menschen auch immer erreicht und ausgenutzt wird.

Ein Kraftwerk im Nervensystem