R. F., Paris, im Mai

Die Beziehungen zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten sind ausgezeichnet ... Es gibt Fragen, die keiner Lösung zugänglich sind, also behandeln wir sie nicht.“ Dies ist die Faustregel des diplomatischen Verkehrs, die der amerikanische Botschafter Charles Bohlen in Paris verkündet hat. Das Feilschen um die aus amerikanischen Polaris-Unterseebooten, britischen V-Bombern und in der Bundesrepublik stationierten französischen Jagdbombern zusammengesetzte „interalliierte Streitmacht“ beweist, daß es wohl auch nicht ganz so gemeint war.

Um die französische Beteiligung zu erwirken, ist der Titel dieser Streitmacht geändert worden. Paris hat die amerikanische Absicht erkannt, die starre französische Position aufzuweichen, und es weigert sich daher, die „interalliierte Streitmacht“ aus der SHAPE-Hierarchie herauszulösen und für sie einen eigenen Befehlsstrang einzurichten. Es macht deshalb die Mitwirkung seiner beiden Jagdbomber-Einheiten davon abhängig, daß das ganze Projekt auf nichts anderes hinausläuft, als auf ein belangloses Auswechseln einiger Türschilder. Frankreichs Atompläne werden davon nicht berührt.

Es ist der amerikanischen Diplomatie erst recht nicht gelungen, den französischen Widerstand gegen die multilaterale Streitmacht zu brechen. De Gaulle beharrt auf seiner force de frappe. Erst wenn sie einmal einsatzbereit ist, will er sich zu einer „Koordinierung“ der Atomstrategie bereit finden.