„Zur Rechtsgelehrsamkeit kann ich mich nicht bequemen

„Ich kann es euch so sehr nicht übelnehmen. Ich weiß, wie es um diese Lehre steht.“

Dieser Dialog ist rund einhundertsechzig Jahre alt. Der ihn schrieb, war ein Jurist, bekannter allerdings als Dichter. Sein Name: Johann Wolf gang Goethe.

Auch heute noch wird das juristische Studium im allgemeinen für trocken, stur, langweilig gehalten, und es wird zumeist auf Amerika verwiesen, wo alles besser, moderner, lebensnaher sei. Ein Beitrag zu einer dynamischeren und wirkungsvolleren Ausbildung des jungen Jurastudenten kommt daher auch aus Amerika: die „Plädier-Clubs“ an der Universität Hamburg.

Die Professoren Zweigert und Möller brachten die Idee der „case-clubs“, wie sie an den amerikanischen law-schools genannt werden, mit nach Hamburg. Seit etwa einem Jahr gibt es diese Einrichtung. Studenten „spielen“ Anwalt, Professoren sind Richter. Jeder Richter bringt einen eigenen „Fall“ mit. Der Sachverhalt wird zwanzig Tage vor der Verhandlung an beide „Anwälte“ ausgegeben. Der Kläger hat acht Tage Zeit für seinen Schriftsatz, danach hat der „Anwalt“ der Gegenpartei Zeit zur Klagebeantwortung. Vier Tage später findet die Verhandlung statt. Jedes Plädoyer dauert etwa 20 bis 30 Minuten.

Am Ende des Scheinprozesses hält der Richter eine Manöverkritik ab, in der er auf die Plädoyers eingeht, die Schriftsätze beurteilt, sowie die wesentlichen Fragen des Falles noch einmal kurz zusammenfaßt und erörtert.

Durchschnittlich finden in einem Semester vier bis sechs Verhandlungen statt – das jedoch hängt von der Aktivität oder Bequemlichkeit der Studenten ab, denn diese Plädier-Clubs sind freiwillig, es gibt noch keine „Scheine“ für eine erfolgreiche Teilnahme, sie werden auch nicht fürs Examen verlangt.