Viel Geld hatte der junge Mann nicht. – Eines Tages schellte es bei ihm. Vor der Tür stand ein Student, der – man kennt’s – beredten Wortes seine Not schilderte und darum bat, seiner Buchgemeinschaft beizutreten. Der junge Mann ließ sich überreden; er unterschrieb das Formular, das ihn für die Dauer eines Jahres verpflichtete. Was schadete es schon, den Gürtel ein Loch enger zu schnallen, wenn man ein gutes Werk und zugleich etwas für seine Bildung tun konnte? Schließlich hatte die Mitgliedschaft in einer Buchgemeinschaft ihre Vorteile, dachte der junge Mann: Man konnte ja auch selber wählen und suchen, was einem gefiel. Was also könnte da passieren?

Pünktlich kam nur die Aufforderung, den Beitrag zu bezahlen. Was nicht kam, war die versprochene Klubzeitschrift, die allein es erlaubte, das vertraglich zugesicherte Wahlrecht auszuüben. Statt dessen erreichte den jungen Mann nach einiger Zeit ein vom Klub ausgewähltes „Pflichtbuch“, eines jener Exemplare für säumige Mitglieder, an denen die Buchgemeinschaft erfahrungsgemäß am meisten verdient, das ihn aber nicht im geringsten interessierte.

Er schickte das Buch zurück und bat, ihm endlich die versprochene Klubzeitschrift zu schicken. An ihrer Stelle wurde er später mit dem zweiten nicht verlangten „Pflichtbuch“ bedacht.

Jetzt ging der junge Mann zu einem Freund, der Jura studiert, und bat ihn um Rat. Sie überlegten. Dem Vertrag zufolge konnte der Buchklub die Abnahme eines „Pflichtbuches“ erst dann verlangen, wenn er seinem Mitglied die Klubzeitschrift übersandt und ihm Gelegenheit gegeben hatte, ein Buch seiner Wahl zu bestellen. Das Verhalten der Buchgemeinschaft lief ganz offensichtlich darauf hinaus, das Wahlrecht zu vereiteln und ihr Mitglied gegen seinen Willen zu veranlassen, ein für den Klub günstiges „Pflichtbuch“ abzunehmen.

Mußte der junge Mann sich das gefallen lassen? Konnte er sich nicht auf irgendeine Weise vom Vertrag lösen? Die ordentliche Kündigung wäre erst zum Ende des Mitgliedsjahres möglich. Indessen: wenn das Verhalten des Buchklubs eine Vertragsverletzung ist – die Juristen sprechen, wenn solche Nebenpflichten aus einem Vertrag verletzt werden, von „positiver Vertrags-“ oder „Forderungsverletzung“ –, kann man einen langfristigen Vertrag – ein „Dauerschuldverhältnis“ – durch fristlose Kündigung aus wichtigem Grund beenden. Man kann es, weil das eine „positive Vertragsverletzung“ darstellende Verhalten des Buchklubs es unzumutbar macht, das Vertragsverhältnis fortzusetzen. Denn das Vertrauen auf eine ordnungsgemäße Abwicklung des Vertrages war erschüttert.

Dies schrieb der junge Mann an die Buchgemeinschaft – per Einschreiben – und drohte mit fristloser Kündigung aus wichtigem Grund, wenn ihn die Klubzeitschrift das nächste Mal nicht rechtzeitig erreiche. Sie kam nicht. Er weigerte sich, das an ihrer Stelle übersandte – nunmehr dritte – „Pflichtbuch“ anzunehmen und kündigte das Vertragsverhältnis.

Der Buchklub erkannte die Kündigung an. Fazit: Man setze sich zur Wehr.

Walter Jagenburg