Vogelfluglinie und Autobahnumgehung

Der Weg auf der „Vogelfluglinie“ zwischen Deutschland und Dänemark ist frei. Fast fünfhundert männliche Ehrengäste in Schwarz oder Grau (und nicht einmal zehn Damen) waren dabei, als König Frederik IX. von Dänemark und Bundespräsident Heinrich Lübke den neuen Verkehrsweg „auf Straße, Schiene und Wasser“ am 14. Mai eröffneten. Am Schluß der Feierlichkeiten seufzte ein hoher Beamter froh: „Wer hätte das vor fünf Jahren gedacht.“ Worauf die Antwort kam: „Ich wäre froher, wenn ich wüßte, was in fünf Jahren ist. Ob sich der Aufwand lohnen wird...“

Der Aufwand auf deutscher Seite: etwa 210 Millionen Mark für neue Straßen, die 963 Meter lange Brücke über den Fehmarnsund, für Bahnhof und Fährhafen Puttgarden auf Fehmarn. Die Dänen gaben ungefähr 58 Millionen Mark für Bahnhof und Hafen Rödbyhavn, Straßen und Schienenweg nach Nyköbing aus. Die Zweifel, ob sich die Investierungen lohnen werden, werden von Beobachtung am bisherigen Fährweg Großenbrode–Gedser zerstreut: In der Hochsaison mußten Autofahrer Wartezeiten bis zu dreißig Stunden auf sich nehmen.

Der Vorteil der neuen Strecke, die mit dem schon im Jahre 1231 entdeckten Weg der Zugvögel identisch ist, äußert sich vor allem in den kürzeren Fahrzeiten auf den drei Fährschiffen „Kong Frederik IX.“, „Theodor Heuss“ und „Deutschland“. Früher betrug der Seeweg 69, jetzt nur noch 18,5 Kilometer (oder: etwa eine Stunde Fahrzeit). Die Fähren verkehren täglich in beiden Richtungen achtzehnmal. Die Eisenbahnfahrt zwischen Hamburg und Kopenhagen ist um zwei Stunden kürzer geworden.

Die Fahrpreise auf dieser Strecke ändern sich nur minimal. Jetzt kostet die einfache Fahrt in der zweiten Klasse 37,90 Mark (früher: 38,80), die Rückfahrkarte 62,80 Mark (früher: 64 Mark). Bei Autoreisenden machen sich die Preissenkungen für die Fähre stärker bemerkbar.

Einen Tag nach der Eröffnung der Vogelfluglinie hat Bundesminister Seebohm die Autobahn-Umgehung östlich von Hamburg dem Verkehr übergeben. Autofahrer, die die Freie und Hansestadt auf ihrem Weg nur passieren, brauchen nicht mehr durch die Stadt zu fahren. sa.