Von Peter Mörser

Das Leben im Hotel ist eine durchaus irrationale Leidenschaft, die keinen Bezug hat zu dem Ausmaß an Geringschätzung, das einem vom Liftboy heutzutage zu Recht entgegengebracht wird – ebensowenig wie die Campingfreuden in irgendeinem Bezug stehen zu den Wohlgerüchen des Camping-WC und der Lautstärke des nachbarlichen Camping-Fernsehers. Froh zu sein, bedarf es wenig – wer aber kein König ist und auch nicht gesegnet mit irrationalen Leidenschaften, möglicherweise aber mit Kindern, der mietet sich ein Ferienhaus.

Die wachsende Nachfrage nach Ferienhäusern hat einen neuen Markt geschaffen, der seine eigenen Regeln und Gesetze entwickelt hat, zumal in Frankreich und der Schweiz, den Geburtsländern des „Chalet“-Wesens. Das erste und wichtigste Kennzeichen dieses Marktes liegt darin, daß er kaum irgendwie von Amts wegen reglementiert ist: So wäre ein ermietetes Chalet der ideale Ort, um hinter ein paar Attrappen spielender Kinder eine Falschmünzerei großen Stils oder einen Geheimsender jahrelang unerkannt zu betreiben, vorausgesetzt, man entrichtet die Kurtaxe pauschal und läßt den Müll nicht herumliegen. Gewisse Geheimdienste sollen diese Möglichkeit schon wahrgenommen haben.

Wer schützt den Mieter?

Eine Folge dieses Zustandes ist die absolute Schutzlosigkeit des Kunden, der ein „Ferienhaus“ gemietet hat und ein Ding vorfindet, das man allenfalls als Alphütte bezeichnen kann, wenn nicht sogar als Alptraum. Weshalb die kommunalen Behörden auch stets betonen, daß sie keine Chalets „vermitteln“, sondern nur Auskünfte erteilen – und dies auf Risiko des Empfängers.

Tatsächlich ist es auch fast ein Unding für die Kommunen, die scheckige Herde der Chalet-Vermieter zu kontrollieren: Da gibt es Sennen, die ihre mit Elektro- und Wasseranschluß mühsam versehenen Hütten vermieten, dann professionelle Chalet-Besitzer, die meist Überpreise fordern, andere wieder, die ihre eigene Wohnung während der Sasion zum Chalet erklären und sich selbst in den Keller zurückziehen, und schließlich Eigner von Wochenendhäusern bis -palästen, die ihr Wochenende dennoch lieber in der Stadt zubringen – oft aus ganz bestimmten verborgenen Gründen. Daher ist es gut, zu wissen, was man zu beachten hat, wenn man ein Chalet mietet, das einem meist nur auf Grund einer dürftigen Beschreibung bekannt ist.