Hans Gresmann berichtet aus Indonesien

Der rote Mandarin, als er auf dem Flugplatz von Djakarta eintraf, fand alles vor, was ein Land einem hohen Gast an Begrüßungszeremoniell zu bieten hat: Es neigten sich die Würdenträger des Staates; zackige Marschmusik durchschnitt die kochend heiße Luft; das Ehrenbataillon salutierte; und viele Hunderte von Schulkindern (von der Kommunistischen Partei Indonesiens in Bussen herangefahren) wedelten mit kleinen Fähnchen und ließen sich in wohldirigierten Sprechchören auch akustisch vernehmen.

Sukarno aber, der Staatspräsident, umarmte seinen Kollegen aus Peking, den Präsidenten Liu Schao-tschi, und sprach wenig später unter einem Baldachin, den die Protokoll-Leute auf dem Flugplatz Kemajoran aufgerichtet hatten, von unserem Waffengefährten gegen den Imperialismus“. Der auf diese Weise geehrte Besucher revanchierte sich mit einigen Sätzen, wie sie hochgestellte Gäste eben so von sich geben, wenn der Präsentiermarsch verklungen ist.

Niemand hatte mehr erwartet, denn es war von Anfang an klar, daß dieser Besuch durch das Rankenwerk offizieller Schablone-Reden nicht an Bedeutung gewinnen würde. Bedeutung hatte er gewonnen, schon bevor er begann: durch die schlichte Tatsache, daß er überhaupt stattfand. Liu Schaotschi, zweitwichtigster Mann in der rotchinesischen Hierarchie nach Mao Tse-tung, ist sich für konventionelle Höflichkeitsvisiten zu gut. Man weiß, daß er seit vielen Jahren China nicht verlassen hat, und man weiß auch, daß sein – kurzfristig anberaumter – Staatsbesuch in Indonesien nicht durch pure asiatische Nachbarschaftsgefühle motiviert war.

Auf dem Flugfeld, des Herrn aus Peking harrend, stand ich neben einem sowjetischen Korrespondenten, der mir durch spitze Bemerkungen die Wartezeit verkürzte. Wollte ich sie wiedergeben, würde das meinen geistreichen Kollegen aus Moskau vielleicht Ärger bereiten – und es würde ganz gewiß dem Versuch eines sowjetisch-chinesischen Ausgleichs nicht förderlich sein. Als Sukarno das Wort von der „Waffenbrüderschaft“ sprach, enthielt sich der Russe eines Kommentars, aber über sein Gesicht lief ein ironisches Lächeln, von dem man nicht sagen kann, daß es frei von Bitterkeit war.

Der sowjetische Journalist wußte so gut, wie Sukarno es wußte, daß an eben der Stelle, wo nun der Chinese begrüßt wurde, vor ein paar Tagen Moskaus Verteidigungsminister Malinowski verabschiedet worden war. Der Festesschmuck an den Straßen, die Fahnen und Spruchbänder, gerade abmontiert, war schnell wieder hervorgeholt worden. Nur die Aufschriften waren natürlich neu, und sie lauteten, im Fall des Chinesen, etwas herzlicher, ein wenig „spontaner“, ein wenig betonter. Und dies geschah aus gutem Grund.

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