Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland steht klipp und klar: „Eine Zensur findet nicht statt... Kunst und Wissenschaft sind frei.“

In der ZEIT Nr. 18 vom 3. Mai dieses Jahres wurde anläßlich der Vorfälle während der „Asiatischen Filmwoche“ in Frankfurt auf die Tätigkeit des sogenannten „Interministeriellen Ausschusses“ hingewiesen, der Filme aus östlichen Ländern inspiziert, ehe sie gezeigt werden dürfen.

Der damalige Lapsus war bedauerlich, aber peinlich vor allem für die Zensoren, peinlich für unser Land, das sich in Dingen der „geistigen Notwehr“ so hasenhaft verschreckt zeigt.

Der neueste, grobe Fall von Zensur indes ist besorgniserregend.

Des großen russischen Regisseurs Eisenstein fünfundzwanzig Jahre alter Film „Alexander Newsky“, der in allen anderen westlichen Ländern ungekürzt in den Kinos zu sehen ist, darf hierzulande öffentlich nicht gezeigt werden, in Seminarvorführungen und anderen halböffentlichen Veranstaltungen nur um ein Drittel gekürzt (III Minuten in Italien, 78 bei uns).

„Alexander Newsky“ ist ein „deutschfeindlicher“ Film, heißt es. Der Film schildert die Greueltaten der Ordensritter und den Abwehrkampf des Großfürsten von Nowgorod. Die Schlacht auf dem zugefrorenen Peipus-See ist eine der großen Szenen Eisensteins und damit der Filmgeschichte.

Warum es zu ihr kam, erfährt man aus der deutschen Fassung allerdings nicht; sämtliche gezeigten Greueltaten der Eindringlinge sind sorgsam herausgeschnitten – etwa die Szene, in der die Ritter russische Kinder segnen und dann ins Feuer werfen.