Von Ludwig Marcuse

Eher ist noch Einigkeit zu erzielen über die Definition von Lyrik, Roman und Drama. Im Deutschen Wörterbuch von Grimm wird beklagt, daß das deutsche Äquivalent von Essay, „Versuch“, verdrängt worden sei. Inzwischen ist er wieder zu Ehren gekommen – und hat den Namensträger nicht deutlicher gemacht.

Die Abgrenzung gegen die drei anderen Gattungen, deren Gebiet er nicht selten überschreitet, gegen die Autobiographie, das wissenschaftliche Traktat, das Feuilleton, den Leitartikel, das Oratorische (von der Predigt bis zum Plädoyer), ist nie in einer Definition endgültig gemacht worden; obwohl viele gute Ansätze da sind – wie man von dem „Essay“-Artikel des Bandes „Deutsche Philologie im Aufriß“ lernen kann.

Es ist also unpraktisch zu fragen: Sind Heinrich Manns hundert Essays – Essays? Weiter kommt man mit der Differenzierung von drei Gruppen.

Da gibt es die Karikaturen, angefangen mit dem Jahr 1911, in dem die unvergeßlichen fünf Druckseiten „Reichstag“ erschienen: ein Kompendium der deutschen Politik jener Zeit, ein vernichtendes Simplicissimus-Konterfei der Feudalen, des Zentrums, der Liberalen, der Sozis vor dem Ersten Weltkrieg. Diese Prosa kam zur Vollendung im Buch „Haß“ (1933) und „Es kommt der Tag – Deutsches Lesebuch“ (1936).

In der Anthologie

Heinrich Mann: „Essays“, dritter Band (Ausgewählte Werke in Einzelausgaben, Band 13); Aufbau-Verlag, Ostberlin; 578 S., 10,80 DM